Di., 05.01.2016 , 16:27 Uhr

Vom Dampfkessel zur Digitalisierung - TÜV wird 150

Damit die Technik den Menschen nicht um die Ohren fliegt, ist vor 150 Jahren der TÜV gegründet worden – als Gesellschaft zur Überwachung von Dampfkesseln. Auch heute kontrollieren die Prüfer vor allem Industrieanlagen. Im Brennpunkt steht jetzt die Digitalisierung.

 

München  – Weithin bekannt ist der Tüv für die technische Überprüfung von Autos – angefangen hat er vor genau 150 Jahren mit der Kontrolle von Dampfkesseln. Und das Industriegeschäft ist auch heute noch sein größtes Arbeitsfeld. Im Jubiläumsjahr – die Feiern beginnen kommende Woche in Mannheim – will sich die Prüforganisation noch stärker für brandaktuelle Herausforderungen wie die sogenannte Industrie 4.0 rüsten.

 

«Stichwort Digitalisierung: Ein Auto ist heute etwas völlig anderes als vor 30 Jahren – eine Industrieanalage ebenso», meint Johannes Näumann vom Verband der Technischen Überwachungsvereine. «Das hat natürlich auch für die technische Sicherheit Konsequenzen.» TÜV-Süd-Vorstandschef Axel Stepken sagte: «Zum Beispiel ist Industrial IT Security für uns ein entscheidendes Zukunftsfeld – und es wird in den nächsten Jahren rasant an Bedeutung gewinnen.» Systeme und Anlagen würden weltweit miteinander vernetzt, so dass Missbrauchsrisiken neu bewertet und bessere Schutzwerkzeuge entwickelt werden müssten.

 

Der TÜV habe «bislang jede Technik-Revolution erfolgreich mitgestaltet – und genau deshalb stellen wir im Jubiläumsjahr die Weichen für die digitale Revolution», sagte Stepken.

 

Jedem Autofahrer ist der TÜV als Synonym für die regelmäßige Hauptuntersuchung seines Fahrzeugs geläufig. Dabei ist das für die TÜV-Vereine in Deutschland nur ein großes Geschäftsfeld neben anderen – weltweiter Marktführer auf diesem Gebiet ist die Dekra, der 1925 von Fuhrpark-Betreibern in Berlin gegründete Deutsche Kraftfahrzeug-Überwachungsverein. Der TÜV Süd seinerseits ist Weltmarktführer auf einem kleinen Geschäftsfeld: Bei der Prüfung «fliegender Bauten» – Achterbahnen, Karussells, Volksfestzelten. Das Oktoberfest, die schnellste Achterbahn der Welt in Dubai oder der «Singapur Flyer» wurde von den bayerischen Ingenieuren geprüft.

 

Auch die Prüfer müssen sich prüfen lassen – sie werden von nationalen Akkreditierungsstellen und den Inspektoren der internationalen ISO-Norm-Organisation unter die Lupe genommen. «Wir haben weltweit 800 Standorte. Jede Woche ist ein Kontrolleur irgendwo bei uns im Haus», sagt TÜV-Süd-Sprecherin Heidi Atzler.

 

Und manchmal gibt es auch Zweifel an der Arbeit der Prüfer. So geriet vor einigen Jahren der TÜV Rheinland, der bei Produktprüfungen stark ist, wegen seines Prüfsiegels für Brustimplantate einer französischen Firma in die Schlagzeilen. Aber in letzter Instanz entschied ein Berufungsgericht in Aix-en-Provence, der TÜV habe seine Verpflichtungen bei der Zertifizierung erfüllt.

 

Der TÜV Süd beginnt seine Feiern zum Jubiläumsjahr eine Woche nach dem Stichtag am 13. Januar in Mannheim. Dort fing vor 150 Jahren alles an: Nach der Explosion eines mangelhaft gewarteten Dampfkessels in der Mannheimer Aktienbrauerei mit einem Toten und vier Verletzten riefen am 6. Januar 1866 die ortsansässigen Betreiber die «Gesellschaft zur Ueberwachung und Versicherung von Dampfkesseln» ins Leben. Denn Unfälle dieser Art häuften sich während der Industrialisierung, und zunehmend forderten Landesherren, die Gefahr in den Griff zu bekommen. So gründeten Industrielle deutschlandweit Überwachungsvereine, die in staatlichem Auftrag auch elektrische Anlagen, Förderanlagen, Lagertanks und Seilbahnen unter die Lupe nahmen.

 

In der TÜV-Süd-AG ist auch der Dampfkessel-Überwachungsverein aufgegangen. Eigentümer sind der Verein mit 12 000 Mitgliedern sowie eine Stiftung – Gewinne werden wieder investiert. Mehr als die Hälfte der 22 600 Mitarbeiter arbeiten im Ausland, allein in Asien sind es 5500. Im Jubiläumsjahr sind die Gründung zweier Digitaler Kompetenzzentren in München und in Singapur geplant. Höhepunkt der Feiern soll ein großer Festakt mit Politik und Wirtschaft am 2. Juni in München sein.

 

Von Roland Losch, dpa

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