So., 18.08.2019 , 14:02 Uhr

Zahlungsmittel Bargeld wird immer unbeliebter

Die Verbraucher in Deutschland rücken immer schneller von ihrer einstigen Vorliebe für das Bargeld ab. Einzelhandel und Bezahlbranche erwarten für die nächsten Jahre eine rasche Verbreitung digitaler Zahlverfahren – besonders über das Handy. «Die Entwicklung ist am Anfang und wird sich stark beschleunigen», sagt Bezahlexperte Ulrich Binnebößel, der beim Handelsverband HDE sowohl für Bargeld als auch für neue Zahlungssysteme zuständig ist.

 

Der Zahlungsdienstleister Wirecard geht davon aus, dass das Smartphone zum dominanten Zahlungsmittel werden wird: «Das ist der logische Weg», sagt Susanne Steidl, die Produktchefin im Vorstand des Dax-Konzerns. «Das Mobiltelefon ist die Identifikation des Menschen.»

 

Zahlungen per Karte sind in Deutschland schon lange verbreitet, doch bei mobilen Bezahl-Apps waren die Bewohner der Bundesrepublik bislang zögerlich. In Deutschland nutzten 25 Prozent der Verbraucher mobile Zahlverfahren, in den Niederlanden dagegen bereits mehr als die Hälfte, heißt es in einer im März veröffentlichten Studie der Unternehmensberatung PwC. Doch das Bild ändert sich rapide.

 

So sind seit 2018 Apple Pay und Google Pay auch in Deutschland verfügbar, die Allianz hat eine ursprünglich in Italien getestete Bezahl-App nun auch in Deutschland auf den Markt gebracht. Und der im Münchner Vorort Aschheim ansässige Bezahlspezialist Wirecard ist quasi überall dabei: Einerseits als Kooperationspartner für Apple, Google, Visa, die Allianz und andere Unternehmen, andererseits mit der eigenen Bezahl-App Boon. Und an sehr vielen Ladenkassen ist Wirecard ebenfalls präsent, weil das Unternehmen den Händlern die Schnittstelle für elektronische Bezahlverfahren liefert.

 

Die Daten der Bundesbank zeigen, dass die Verbraucher immer häufiger zu Karte oder Handy greifen: 2014 wurde in Deutschland 3,4 Milliarden Mal elektronisch bezahlt – sowohl an Kassen als auch bei Einkäufen im Internet und per Telefon. 2018 waren es bereits fast 5,3 Milliarden elektronische Bezahlvorgänge.

 

Darin enthalten ist das mobile Bezahlen, dies wird aber nicht separat erfasst, wie eine Sprecherin der Bundesbank erläutert. «Die Kunden orientieren sich neu und setzen ihre Karten für immer kleinere Beträge ein», meint HDE-Experte Binnebößel.

 

«Für Verbraucher steht das Bedürfnis nach Einfachheit und Bequemlichkeit im Vordergrund», argumentiert Wirecard-Produktchefin Steidl. «Auch deshalb wird künftig sehr viel mehr über das Smartphone bezahlt.» Gerade bei kleinen Händlern könne das Smartphone oder Tablet auch die Kasse komplett ersetzen.

 

Doch gibt es Hindernisse, vor allem aus Sicht der Einzelhändler. Ein Hindernis sind Kosten: «Die bisherigen App-basierten elektronischen Verfahren sind Fernzahlungen, auch wenn sie im Laden am POS vollzogen werden», sagt HDE-Bezahlfachmann Binnebößel. POS bedeutet Point of Sale und ist der bei Experten übliche Begriff für die Kasse. «Und dafür fallen Gebühren an. Fernzahlung ist teuer.»

 

Außerdem fehlt bislang ein einheitliches technisches Prozedere für die verschiedenen elektronischen Bezahlverfahren: «Momentan gibt es Insellösungen, aber noch nicht den einen Standard», sagt Binnebößel. «Das wäre eine Entwicklung, die allen zugutekommen würde.»

 

Ein weiteres Manko aus Sicht der Händler: Mit dem am weitesten verbreiteten elektronischen Zahlungsmittel in Deutschland lassen sich nach wie vor keine direkten Zahlungen für Einkäufe im Internet tätigen: «Die Girocard» – landläufig bekannt als EC-Karte – «muss endlich onlinefähig werden», sagt Binnebößel. Denn möglich sind bisher nur Online-Überweisungen oder Lastschrift.

 

Doch die Entwicklung schreitet voran. So denken Bezahlbranche und Einzelhandel keineswegs nur darüber nach, wie Bargeld überflüssig werden könnte. Auch der Ladenkasse droht langfristig das Aus. Denn ob bar, Karte oder Handy, bezahlt wird im Laden bisher in aller Regel an der Kasse.

 

Doch Schlangestehen ist unbeliebt, und wäre beim heutigen Entwicklungsstand auch nicht mehr notwendig. «Die Authentifizierung übers Mobiltelefon erlaubt unterschiedliche Formen des Bezahlens», sagt Wirecard-Vorständin Steidl. «So ist es jetzt schon technisch möglich, Artikel im Regal mit dem Smartphone zu scannen und den Bezahlvorgang auszulösen.» Ebenso möglich ist das Bezahlen über Gesichtserkennung wie per Handauflegen über Scanner. Wirecard führte seinen Aktionären derartige Systeme kürzlich auf der Hauptversammlung in München vor.

 

Im Handel heißt Bezahlen ohne Personal und ohne Kasse «self check out», erste Unternehmen wie die Elektrohandelskette Saturn experimentieren damit. Doch auch das bedeutet für die Händler Herausforderungen. Die Umstellung sei «nicht trivial», sagt HDE-Experte Binnebößel. Eine ganz wesentliche Frage: Wie lässt sich massenhafter Ladendiebstahl verhindern, wenn es keine Kasse mehr gibt?

 

In absehbarer Zeit wird die Ladenkasse nicht verschwinden, sondern unterschiedliche Bezahlverfahren nebeneinander existieren. «Es passt nicht ein Bezahlmodell für alle», meint Wirecard-Produktchefin Steidl. Doch das Bargeld ist auf dem Rückzug

dpa

Das könnte Dich auch interessieren

21.07.2026 Finanzierungsmöglichkeiten für kleine und mittlere Unternehmen: Ein Wegweiser für den bayerischen Mittelstand Wer ein kleines oder mittleres Unternehmen führt, kennt die Herausforderung: Wachstum kostet Geld, und das Kapital ist selten genau dann verfügbar, wenn man es braucht. Ob neue Maschinen, zusätzliche Mitarbeiter oder die Erschließung neuer Märkte – die Finanzierungsmöglichkeiten für kleine und mittlere Unternehmen sind heute deutlich vielfältiger als noch vor zehn Jahren. Neben dem klassischen 20.07.2026 Der erste Kontaktpunkt entscheidet – warum Zufahrtsmanagement zunehmend zum Wettbewerbsfaktor wird In vielen Unternehmen wurde die Zufahrt zum Betriebsgelände lange Zeit als rein technisches Element betrachtet: Kontrollpunkt, Tor, Zaun, Wachposten. In der Praxis beginnt jedoch genau an dieser Stelle sehr häufig der eigentliche operative Prozess eines Unternehmens. Hier treffen Lieferanten, Fahrer, Subunternehmer, Mitarbeitende, Gäste, Servicedienstleister und externer Transport aufeinander. Hier entstehen erste Verzögerungen, Warteschlangen, organisatorische Missverständnisse 16.07.2026 Wie ein Zauberer Events in München unvergesslich macht Genau an dieser Stelle setzen innovative Eventplaner auf ein Entertainment, das den klassischen Rahmen sprengt und für echten, unzensierten Gesprächsstoff sorgt. Ein professioneller Zauberkünstler München bringt genau die richtige Mischung aus ungläubigem Staunen, feinsinnigem Humor und einem Hauch Exklusivität mit, die aus einer gewöhnlichen Zusammenkunft ein unvergessliches Highlight macht. Wenn die Logik für ein paar 09.07.2026 Fersensporn natürlich behandeln: Die überraschende Rolle spezieller Schuhe für Ihre Fußgesundheit Ein stechender Schmerz unter der Ferse, besonders bei den ersten Schritten am Morgen – für viele Menschen ist dieses Gefühl ein unangenehmer Start in den Tag. Der Fersensporn, eine oft schmerzhafte Entzündung der Sehnenplatte an der Fußsohle, kann die Lebensqualität erheblich einschränken. Während Einlagen, Dehnübungen und Physiotherapie bewährte Methoden sind, wird ein entscheidender Faktor oft