Fr., 17.04.2015 , 14:17 Uhr

Finanzierung aus dem Netz: Ohne Verpackung durch München

Weil die umweltfreundlichste Verpackung diejenige ist, die man gar nicht erst kauft, soll nach Berlin, Kiel und Bonn auch in München ein verpackungsfreier Supermarkt eröffnen. Die immer spendablere Internetgemeinde soll das Projekt durch Crowdfunding finanzieren.

 

 

München – Unternehmensgründer brauchen nicht nur eine gute Geschäftsidee, sie brauchen vor allem Geld. Führte der Weg einst in erster Linie zu Banken, haben Gründer dank des Internets inzwischen neue Quellen. Eine besonders spannende ist Crowdfunding, also die Finanzierung durch eine, zu deutsch, Menschenmenge.

 

Via Internet kann jeder Geld für eine Geschäftsidee geben. Hannah Sartin sammelt für ihre Idee ebenfalls Kapital im Netz. Zum Jahresende will sie Bayerns ersten verpackungsfreien Supermarkt in München eröffnen.

 

Projekt „Ohne“

 

Anstatt eingeschweißter Gurken und mehrfach versiegelter Schokolade gibt es dort alles lose in mitgebrachte oder geliehene Mehrwegbehälter. Nur Empfindliches wie Milchprodukte soll es in bereits abgepackten Gläsern geben. Gemeinsam mit ihrem Mann Carlo Krauß hat sie im März das Projekt „OHNE“ gestartet.

 

„OHNE“, das soll für ein Leben ohne Müll, ohne Verschwendung und ohne Pestizide stehen. Als bevorzugten Standort nannte Sartin die zentralen Stadtteile Maxvorstadt oder das Glockenbachviertel. Dort hofft sie insbesondere auf Alleinlebende, für die sich gerade kleine Einkäufe lohnen.

 

 

Mit der Idee ist Sartin nicht allein. Ähnliche Projekte eröffneten vergangenes Jahr in Kiel, Bonn und Berlin. Am 1. April kam Dresden dazu. „Das ist der Zeitgeist“, sagte Marie Delaperrière, Inhaberin des Kieler Ladens „Unverpackt“. Doch nicht nur die Idee zum alternativen Konsum ist dem Zeitgeist geschuldet. Wie in Berlin und Dresden setzt Sartin auf eine alternative Finanzierung.

 

Bis Ende Juni will sie durch Spenden von Internetnutzern 55 000 Euro sammeln, um davon die ersten Mieten und Regale zu bezahlen und diese mit Müsli, Mehl und Öl zu füllen. Ein Zehntel der Summe hat sie bereits.

 

Crowdsourcing

 

Dabei ist die Idee der Gruppen-Finanzierung laut Karsten Wenzlaff, Vorstand im Deutschen Crowdsourcing-Verband (DCV) e.V., nicht neu. Schon im Mittelalter gab es unterschiedliche Formen der Schwarmfinanzierung. „Das Internet hat das Bezahlmodell aber transparenter und schneller gemacht“, sagte Wenzlaff.

 

Wie eine Studie der University of Cambridge herausfand, wurden in den vergangenen drei Jahren in Deutschland rund 236 Million Euro gesammelt, davon mehr als die Hälfte allein in 2014. Die Universität St. Gallen sagt bis 2020 einen weiteren Anstieg auf rund 359 Millionen Euro jährlich voraus.

 

Statt auf einen einzelnen Kapitalgeber zu setzen, werden unternehmerische Risiken auf eine große Menge von Investoren gestreut. Bereits mit einigen Euro Beteiligung fühlen sich diese einem großen Ganzen zugehörig. Anstelle von Renditen gibt es oft kleine Geschenke. Bei „OHNE“ sind das unter anderem Stoffbeutel, Einkaufsgutscheine oder Einladungskarten zur Eröffnungsfeier.

 

Dass Crowdfunding jedoch die traditionelle Bankenwirtschaft ersetzt, bezweifelt Wenzlaff. Vielmehr sei Crowdfunding eine zusätzliche Option, um die Resonanz für neue Ideen abzufragen und gleichzeitig für sich zu werben.

 

Verpackungsfreier Supermarkt

 

„Hätte der verpackungsfreie Supermarkt in Berlin einfach nur so aufgemacht, hätten das wahrscheinlich nicht so viele mitbekommen“, sagte Wenzlaff. Wie die Berliner Zeitung berichtete, ist „Original Unverpackt“ im Berliner Szeneviertel Kreuzberg bereits zur Touristenattraktion geworden.

 

Auch Sartin erhielt durch die Crowdfunding-Aktion viele Rückmeldungen. So hätten ihr einige Unterstützer bereits Fotos von leerstehenden Läden in München geschickt. Auch potenzielle Geschäftspartner hätten sich gemeldet. „Ein junger Biobauer aus der Region hatte unser Projekt im Internet gefunden“, erzählte Sartin.

 

Ob sich der Trend der verpackungsfreien Läden großflächig durchsetzt, ist jedoch gerade mit Blick aufs Land fragwürdig, sagen Fachleute. Zwar gehe die Dichte an Lebensmittelläden im ländlichen Raum zurück, sagt Georg Osterhammer, Handels-Spezialist bei der Industrie- und Handelskammer München.

 

Ein unverpacktes Sortiment kann er sich als Alternative aber nicht vorstellen. Die Mehrheit der Kunden sei an verpackte Ware gewöhnt. Realistischere Lösungen seien etwa Dorfläden, manchmal unterstützt durch sogenannte mobile Händler mit Lieferwagen. (dpa)

 

Crowdsourcing Öko Verpackung

Das könnte Dich auch interessieren

22.04.2026 Wie Münchner ohne Stress fit bleiben Die Informationsflut im Netz ist gewaltig und oft mehr ermüdend als erhellend. Dabei ist Gesundheitsmanagement im aktuellen Jahr keine Frage der Erschöpfung mehr, sondern eine des geschickten Timings und der richtigen digitalen Verbündeten. Statistiken zeigen, dass über 60 Prozent der Deutschen ihre Gesundheitsfragen zuerst dem Internet stellen, bevor sie überhaupt den Hörer für einen Termin 21.04.2026 Der Weg zur Wunschfigur in München: Ein Leitfaden zu Methoden, Kosten und Klinikwahl bei der Liposuktion Hartnäckige Fettpolster an Bauch, Hüften oder Oberschenkeln können frustrierend sein, besonders wenn sie sich trotz disziplinierter Ernährung und regelmäßigem Sport hartnäckig halten. Für viele Menschen in München stellt sich dann die Frage nach alternativen Lösungen. Die Liposuktion, umgangssprachlich als Fettabsaugung bekannt, ist ein chirurgischer Eingriff zur gezielten Formung der Körperkontur, nicht zur Gewichtsreduktion. Sie entfernt 20.04.2026 Mitmachen und gewinnen - Fit-Amino! Fit-Amino und münchen.tv verlosen ein Monatspaket „Fit-Amino Wiederholungskomfort“ im Wert von rund 50 €! Das steckt drin: – 32 Portionsbeutel in praktischer Pulverform – Hochwertige Aminosäuren: L-Arginin, L-Glutamin, L-Lysin, L-Pidolat – Mit Vitamin C – für normalen Energiestoffwechsel, normale Knochen und Knorpel – 100 % vegan, glutenfrei, halal, koscher Einfach in Wasser auflösen, trinken, fertig 16.04.2026 Was ändert sich mit dem neuen SCHUFA-Score? Seit dem 17. März wird im SCHUFA-Account statt eines Prozentwertes ein dreistelliger Punktestand angezeigt. Die SCHUFAHolding AG hat an diesem Datum den bisher gültigen Basisscore eingestellt und durch den sogenannten NextGen Score 1.0 ersetzt. Wer wie die meisten an den 97,5-Prozent-Wert gewöhnt ist, fragt sich jetzt vermutlich, ob 812 Punkte gut oder nur mittelmäßig sind.