Fr., 22.05.2015 , 10:21 Uhr

Kita-Streik - Mutter verliert ihren Job

Der unbefristete Kita-Streik wird aller Voraussicht nach auch nach den Pfingstferien weitergehen. Bislang hatten die Eltern Verständnis für die Arbeitsniederlegung. Doch nun fordert der Streik erste Opfer. Eine Mutter verliert deswegen ihren Job.

 

 

München – Der Streik der GDL hat vorerst ein Ende, die Arbeitsniederlegung der Kitas dagegen wird unbefristet fortgesetzt. Es bleibt abzuwarten, wie lange die Eltern noch Verständnis für die Erzieher aufbringen. Insbesondere wenn sich Fälle wie von Nadine-Bianca Dihlmann (28) häufen sollten.

 

Die alleinerziehende Mutter aus München verlor wegen dem Streik ihre Arbeit, berichtet der Münchner Merkur. Zuvor hatte sie eigentlich Verständnis für die Erzieher, denn immerhin übernehmen sie die Verantwortung für „das Wichtigste, was wir alle haben – unsere Kinder“.  Doch ihr eigner Schicksalsschlag trübt das Bild erheblich. Am Dienstag landet in ihrem Briefkasten die Kündigung ihres Arbeitgebers. Ihre Reaktion darauf war, ein Brief an Oberbürgermeister Dieter Reiter.

 

Flexible Arbeitszeiten

 

In dem Brief schrieb sie ihm ihre Geschichte. Alleinerziehende Mutter einer dreijährigen Tochter, die nach der Elternzeit wieder in ihren Beruf, Hotelfachfrau, einsteigen wollte. Nicht ganz leicht, wenn man auf die Arbeitszeiten blickt. Insbesondere, wenn man gleichzeitig auch noch für ein Kind da sein muss.

 

Doch im Januar hatte sie Glück. Sie fand eine neue Stelle in einer Hotelkette in Garching. Ein 39-Stunden-Vertrag mit flexiblen Arbeitszeiten (Mo-Fr: 7.45-16.15) wurde ihr zugesichert. Die ideale Lösung für die Alleinerziehende und zugleich der gesuchte Zwischendienst für das Hotel. Gegenüber dem Münchner Merkur sagte sie: „Endlich konnte ich wieder für mein Kind aufkommen, ohne zum Amt zu rennen.“ Zuvor musste sie in der Zeit nach dem Elterngeld vom Arbeitslosengeld leben.

 

 

Kita-Warnstreiks

 

Eigentlich schien sich alles zum Guten zu wenden. Doch dann kam der Kita-Warnstreik am 11. Mai. Die Großeltern konnten nicht einspringen, weil sie selbst noch berufstätig sind und ein Anrecht auf eine Notfallbetreuung hatte sie auch nicht, denn ihre Tochter gilt noch als Krippenkind. Ein Babysitter ist für sie auch keine Lösung, denn den kann sich nicht bezahlen.

 

Dennoch tat sie alles, um Beruf und Kind unter einen Hut zu bekommen. Ihre ausgefallenen Arbeitstage holte sie am Wochenende nach, wo sie ihr Kind bei einer Freundin unterbringen konnte. Offenbar war der ganze Stress für die Mutter allerdings zu viel, denn in der zweiten Streikwoche klappte die 28-Jährige zusammen. Wegen Magenschmerzen und Kreislaufproblemen musste sie zum Arzt. Die Folge war die Kündigung am Dienstag mit einer Frist von vier Wochen.

 

Grundlose Kündigung

 

„Einen Grund haben sie nicht genannt“, sagt die 28-Jährige. Noch Ende April, beim Abschlussgespräch nach ihrer Probezeit, sei alles in Ordnung gewesen. Doch in der Folgezeit bemängelt ihre Chefin über ihre Arbeitszeiten, obwohl diese so vereinbart gewesen wären. „Die denken, ich mache blau“, meint Dihlmann. „Dabei bin ich wirklich krank.“

 

Ihr Brief an den Oberbürgermeister ist ein letzter Hilfeschrei. Ihr Verständnis für den Streik der Erzieher ist mittlerweile verschwunden. Sie schreibt; „Finden Sie es denn fair, dass andere für diesen Streik ihre Existenz verlieren?“ Wie es sie nun weitergehen soll, ist ihr noch nicht klar. Sie muss bis Juni einen Weg finden, ihr Kind unterzubringen. Zudem möchte sie gegenüber ihrem Arbeitgeber nicht kleinbeigeben.

 

Ein Schicksal, das auch anderen alleinerziehenden Eltern drohen kann. Dann würde wohl auch das Verständnis bei den Eltern für den Streik zurückgehen. Beiden Seiten wäre es also zu wünschen, dass man schnell eine tarifliche Einigung findet.

 

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