Mo., 23.05.2016 , 11:56 Uhr

Ladendiebstahl in Bayern nimmt ab - Dennoch 335 Millionen Euro Schaden

Sie lassen Klamotten und Kosmetika in Taschen mit doppelten Böden verschwinden. Professionelle Diebe haben einige Tricks auf Lager und sind ein großes Problem für den Handel.

 

München – Möglichst klein und möglichst teuer sollten sie sein. Die Gegenstände, die Ladendiebe bevorzugt einstecken, bringen ordentlich Geld ein und lassen sich leicht in der Handtasche verstecken. Parfüm, Kosmetik und Bekleidung – das sei begehrtes Gut für Ladendiebe, sagt Sprecher Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern. Dem Handel entsteht ein hoher Schaden durch die Diebstähle. «Waren im Wert von etwa 335 Millionen Euro werden jedes Jahr in bayerischen Geschäften geklaut», so Ohlmann.

 

Die Zahl der Ladendiebstähle ist in Bayern in den letzten fünf Jahren allerdings leicht gesunken. Knapp 37 150 Fälle wurden im Jahr 2015 registriert, knapp vier Prozent weniger als noch im Jahr 2011. Laut Handelsverband-Sprecher Ohlmann ist das aber nur die Spitze des Eisbergs: «Nur jeder zehnte Dieb wird überhaupt entdeckt und angezeigt.»

 

Außerdem nehme der professionell organisierte Bandendiebstahl zu – für Ohlmann ein «riesengroßes Problem». Auch würden die Ladendiebe immer gewaltbereiter. Die Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik scheinen dies zu bestätigen. Gab es im Jahr 2011 in Bayern 720 Fälle des besonders schweren Ladendiebstahls, sind es 2015 schon 1038 Fälle gewesen, eine Zunahme um gut 44 Prozent binnen weniger Jahre. Welcher Anteil davon auf Bandenladendiebstahl entfällt und welcher auf Ladendiebstahl mit Waffen, geht aus der Statistik aber nicht hervor.

 

Bekannt sind dagegen die Tricks, die gerade gewohnheits- oder gewerbemäßige Ladendiebe gerne anwenden. «Sie verwenden Regenschirme, Kinderwägen oder Zeitschriftenrollen», weiß Kathrin Fändrich, stellvertretende Pressesprecherin des bayerischen Innenministeriums. Und sie verrät weitere typische Taktiken von Profi-Dieben: «Sie tarnen sich für den Ladendiebstahl als Einarmige oder verkleiden sich als Dekorateur, Lagerarbeiter und Lieferant.» Als «trojanisches Pferd» bezeichnet Ohlmann eine präparierte Tasche mit doppeltem Boden. Diese lasse sich von unten öffnen, so dass man sie zum Beispiel auf einen Stapel Pullover stellen und die Kleidung in die Tasche hineinziehen könne.

 

Die Aufklärungsquote im Bereich Ladendiebstahl ist laut der Kriminalstatistik Bayerns hoch. 2015 wurden knapp 93 Prozent der Fälle gelöst, im Jahr 2011 waren es sogar noch knapp 95 Prozent. Dabei müsse man aber beachten, dass hauptsächlich geklärte Fälle angezeigt würden, erläutert ein Sprecher der Polizei Mittelfranken. Auch Ohlmann beobachtet eine «Anzeigenmüdigkeit» unter den Ladenbesitzern. Oft würden Verfahren «wegen Geringfügigkeit eingestellt», das entmutige die Händler.

 

Um sich zu schützen, investieren die Geschäfte in Kameras, Sicherungssysteme, Ladendetektive und die Schulung von Mitarbeitern. Rund 170 Millionen Euro würden so in Bayern jährlich in die Prävention von Ladendiebstahl gesteckt, so Ohlmann. Bei kleinen Geschäften, die keine großen Summen für technische Geräte ausgeben können, sind aufmerksame Mitarbeiter besonders wichtig. In Seminaren können diese lernen, Ladendiebe besser zu erkennen und angemessen mit der Situation umzugehen. Auch die Ladengestaltung spiele eine Rolle. «Von der Kasse aus sollte sich jeder Winkel einsehen lassen», rät Ohlmann. «Die Regale dürfen nicht zu hoch sein».

 

(dpa/lby)

Ladendiesbstahl

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