Fr., 19.01.2018 , 10:14 Uhr

Prozess gegen Waffenhändler vom Münchner Amoklauf - Urteil erwartet

Nach knapp fünf Monaten geht der Prozess gegen den Waffenlieferanten vom Münchner Amoklauf in die Zielgerade. Auch wenn viele Fragen offen blieben: Ein Urteil rückt in greifbare Nähe.

 

Der Prozess gegen den Verkäufer der Waffe für den Münchner Amoklauf geht nach mehr als 20 Verhandlungstagen dem Ende entgegen. Am Freitag (9.00 Uhr) wird das Verfahren vor dem Landgericht München I mit weiteren Plädoyers fortgesetzt. Unter anderem steht noch der Schlussvortrag der Verteidigung aus. Es wird erwartet, dass noch am Freitag ein Urteil gesprochen wird.

 

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 33-jährigen Marburger Philipp K. unter anderem fahrlässige Tötung in neun Fällen und illegalen Waffenhandel vor. Die Anklage hat sieben Jahre und zwei Monate Haft verlangt. Erst durch den Waffen-Deal sei der Amoklauf möglich gewesen.

 

Die Nebenkläger – rund 25 Angehörige der Opfer – und ihre Anwälte hatten eine Verurteilung wegen Beihilfe zum Mord gefordert. Die Familien warfen dem Waffenhändler Mitwisserschaft vor. Ihrer Ansicht nach sprechen zahlreiche Indizien dafür, dass Philipp K. wusste, was David S. mit der Pistole vorhatte. Der Angeklagte habe mit dem Amokläufer eine rechtsradikale Gesinnung geteilt.

 

Am 22. Juli 2016 hatte der 18-jährige David S. am Münchner Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) neun Menschen erschossen und fünf weitere verletzt, ehe er sich selbst tötete. Seine Opfer waren fast durchweg junge Leute mit Migrationshintergrund.

 

Die Pistole, eine Glock 17, und mehrere Hundert Schuss Munition hatte er über das sogenannte Darknet besorgt, einen verschlüsselten Teil des Internets. Über diese Plattform haben David S. und Philipp K. zwei Treffen zur Übergabe von Waffe und Munition in Marburg vereinbart. Was sie dort besprachen, ob es um die Verwendung der Waffe ging und ob V-Leute eine Rolle in dem Fall spielten, blieb bis zum Ende offen.

 

Für die Tat wählte der von Gutachtern als psychisch krank eingestufte David S. den fünften Jahrestag des Attentats des rechtsextremen norwegischen Massenmörders Anders Breivik. Er malte Hakenkreuze und grüßte mit «Heil Hitler»; Philipp K. nutzte denselben Gruß und hatte Hitlers Hetzschrift «Mein Kampf» auf der Festplatte.

 

Die polizeilichen Ermittler hatten stets argumentiert, David S. habe zwar eine rechte Haltung gehabt. Sein Motiv sei aber Rache für jahrelanges Mobbing gewesen. Er habe auf Jugendliche gezielt, die von Alter, Aussehen, Herkunft und Lebensstil denen ähnelten, die ihn über Jahre gedemütigt hätten: junge Menschen mit südosteuropäischen Wurzeln.

 

dpa/lby

 

Amoklauf München Gerichtsprozess Waffenhändler

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