Fr., 17.07.2015 , 13:51 Uhr

Verkäuferin in München kämpft ums Überleben

In keiner anderen Stadt ist die Lage für Geringverdiener so schwierig wie in München. Mit einem monatlichen Bruttolohn von gut 2000 Euro bewegen sich etwa Verkäufer in der bayerischen Landeshauptstadt am Rande ihrer finanziellen Existenz.

 

Eine Familie zu ernähren ist für Geringverdiener in München schwierig

 

Nur das Kindergeld ist ein Tabu. Die 184 Euro monatlich legt die Münchner Verkäuferin Polixeni Bakaleri seit der Geburt ihres Sohnes sofort zur Seite: Damit er einmal ein finanzielles Polster hat. Das restliche Einkommen, das die 47-Jährige aus ihrem Vollzeit-Job bei einer großen Mode-Handelskette bekommt, geht vollständig für den Lebensunterhalt drauf.

 

2367 Euro brutto verdient Bakaleri für ihre Arbeit im Schichtdienst: Eine Woche früh, eine Woche spät – und freie Samstage gibt es nicht oft. Die gebürtige Griechin ist eine der rund drei Millionen Beschäftigten im deutschen Einzelhandel, für die 50 Euro mehr oder weniger Lohn pro Monat einen großen Unterschied machen.

 

Besonders in einer teuren Stadt wie München, wo die Miete einen Großteil des Einkommens verschlingt, reichen die Einkommen aus Sicht der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi vorne und hinten nicht. „Wer mit dem Gehalt einer Verkäuferin in München auskommt, ist schon eine absolute Lebenskünstlerin“, sagt Victoria Sklomeit von Verdi vor der dritte Runden der Tarifverhandlungen für die Beschäftigten des bayerischen Einzelhandels. Von diesem Lohn eine Familie zu ernähren oder eine Alterssicherung aufzubauen, sei nahezu unmöglich.

 

Vielen Verkäufern droht Altersarmut

 

Das kann die Mode-Verkäuferin Bakaleri bestätigen. Obwohl auch ihr Mann eine Vollzeit-Arbeit als Haustechniker hat, ist das Geld in der dreiköpfigen Familie knapp. Sohn Vasili hat im vergangenen Jahr Abitur gemacht, wohnt aber noch zu Hause, weil er bisher keinen Studienplatz bekommen hat. Das größte Glück der kleinen Familie ist die vergleichsweise günstige Miete für die Drei-Zimmer-Wohnung von 780 Euro warm pro Monat. „Wenn ich über 1000 Euro zahlen müsste, wüsste ich nicht, wie ich das machen sollte“, sagt die Mutter.

 

Der Herd ist seit Monaten kaputt, nur eine der drei Kochplatten funktioniert noch. Geld für einen Neuen ist aber gerade nicht da. „Es muss auch so gehen“, sagt Bakaleri. Ersparnisse hat die Familie nicht. „Wovon soll ich sparen?“ Schließlich ist am Ende des Monats kein Geld mehr da.

 

In dem monatelangen Tarifstreit war die Altersvorsorge deshalb eines der wichtigsten Argumente der Gewerkschaft. Die meisten Beschäftigten im Einzelhandel seien akut von Altersarmut betroffen, sagte der bayerische Verdi-Verhandlungsführer Hubert Thiermeyer. „Ihre Gehälter reichen oft nicht aus, um im Alter über die Grenze der gesetzlichen Grundsicherung hinauszukommen.“ Auch Bakaleri engagiert sich in der Gewerkschaft, um für höhere Löhne zu kämpfen. Sie saß zeitweise in den Verhandlungen mit den Arbeitgebern mit am Tisch. „Weltfremd“, so hörte sie dort, seien die Forderungen der Gewerkschaft von 5,5 Prozent mehr Lohn angesichts der schwierigen Lage des Einzelhandels.

 

Ein Umzug in eine andere Stadt, wo die Lebenshaltungskosten niedriger sind, kommt für die Verkäuferin aber nicht infrage. Seit 40 Jahren lebt sie in der bayerischen Landeshauptstadt und hat dort eine neue Heimat gefunden: „München ist meine Stadt.“

 

 

(Daniela Wiegmann, dpa)

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