Fr., 19.06.2015 , 17:28 Uhr

Atommüll soll nach Bayern - CSU droht mit Scheitern der Energiewende

In den kommenden Jahren sollen Castor-Transporte auch nach Bayern rollen – so der Plan von Bundesumweltministerin Hendricks. Die CSU-Staatsregierung legt aber sofort und sehr vehement Protest ein.

Erstmals überhaupt soll aus dem Ausland zurückkommender deutscher Atommüll auch nach Bayern gebracht werden. Diesen Plan, wonach 26 Castor-Behälter mit radioaktivem Müll auf insgesamt vier Bundesländer aufgeteilt werden sollen, präsentierte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) am Freitag den vier großen Energiekonzernen in Berlin. Die Staatsregierung legte umgehend wütenden Protest ein und drohte mit einem Scheitern der Energiewende.

 

 

Fünf Behälter mit mittelradioaktivem Abfall aus dem französischen La Hague sollen schon 2017 zum Zwischenlager im baden-württembergischen Philippsburg gebracht werden. 21 Behälter mit hoch radioaktivem Müll aus dem britischen Sellafield will Hendricks bis 2020 relativ gleichmäßig auf die Lager bei den Atomkraftwerken Isar (Bayern), Biblis (Hessen) und Brokdorf (Schleswig-Holstein) verteilen. Sie erwarte, dass sich die Konzerne daran «orientieren», sagte Hendricks.

 

Aigner: „unfreundlicher Akt“

 

Staatskanzleichef Marcel Huber (CSU) rügte dies scharf: «Wenn der Bund hier allein entscheiden will, stellt er eine Einigung bei der Energiewende insgesamt infrage», erklärte er. Einseitige Festlegungen des Bundes seien «politisch unklug und dreist». Dies müsse, wie alle anderen Fragen, am Verhandlungstisch mit den Ländern gelöst werden.

 

 

«Fakt ist: Wir stehen bei der Energiewende auf der Zielgeraden unserer schwierigen, komplexen Verhandlungen», sagte Huber. Dabei lasse sich kein Bereich isoliert betrachten und entscheiden. «Vielmehr gilt: Alles hängt mit allem zusammen. Eine Energiewende gegen den Willen einzelner Länder hat keine Chance. Wir müssen alle Entscheidungen im gegenseitigen Einvernehmen treffen, auch die schwierige Frage der Zwischenlagerung deutschen Atommülls.» Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) sprach von einem «unfreundlichen Akt». Das Konzept sei nicht mit Bayern abgestimmt.

 

„Ducken uns nicht weg“

 

Verhandlungen mit den Ländern hatte Hendricks im Frühjahr aber ergebnislos abgebrochen – und dann ihr eigenes Konzept angekündigt. Sie verwies am Freitag nun darauf, dass in Bayern «der bei weitem allermeiste Atommüll produziert worden ist». Die Genehmigung von Transport und Lagerung liege zudem beim Bundesamt für Strahlenschutz.

 

 

Im Gegensatz zu Bayern hatten sich die drei anderen Länder schon zur Aufnahme eines Teils der Castor-Behälter bereiterklärt – und sie wiederholten dies am Freitag. «Wir ducken uns nicht weg», erklärte beispielsweise Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne). Hessen stehe nach wie vor zu seiner Verantwortung. «Ich erwarte jetzt, dass auch alle anderen Länder ihrer Verpflichtung nachkommen.»

 

SPD kritisiert CSU

 

Aus Schleswig-Holstein kam scharfe Kritik an Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU). «Seehofer entwickelt sich zum Dr. No der Politik», kritisierte der Kieler Energieminister Robert Habeck. «Ich erwarte jetzt, dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auf den Tisch haut und Bayern sagt, was Sache ist», forderte der Grünen-Politiker.

 

 

Ein Sprecher des Umweltministeriums in München erklärte dagegen, Bayern setze «auf eine fachlich sinnvolle Lösung». «Die Unterbringung in Deutschland sollte möglichst dort erfolgen, wo die Transportwege aus England und Frankreich kurz sind», erklärte er. Der niederbayerische CSU-Bezirkschef, Manfred Weber, sagte dem «Straubinger Tagblatt», der Bund dürfe «vor allem die Bevölkerung nicht vor den Kopf stoßen». Markus Rinderspacher, SPD-Fraktionschef im Bayerischen Landtag, sagte dazu: «Die CSU hat mit ihrer verantwortungslosen Atompolitik jahrzehntelang hoch radioaktiven Müll produziert. Und die bayerischen Bürger bekommen nun dafür die Quittung, indem der Atommüll bei uns gelagert werden soll.»

 

 

Der Bund Naturschutz forderte die Staatsregierung auf, Verantwortung für ihre «verfehlte» Atompolitik zu übernehmen. Es sei unzulässig, «wenn die bayerische Staatsregierung ein Pokerspiel um die Energiewende startet und die Verantwortung für den Atommüll Bayerns mit der Umsetzung der Energiewende in Bayern zu verknüpfen beginnt».

 

make/dpa

atommüll Bayern Energiewende hessen

Das könnte Dich auch interessieren

18.06.2026 Bayerns Sonnen-Gold: Wie Direktinvestments in Solarparks mit Batteriespeicher stabile Renditen sichern Die bayerische Wirtschaft steht vor einer doppelten Herausforderung: der Notwendigkeit einer schnellen und nachhaltigen Energiewende sowie dem Wunsch privater und institutioneller Anleger nach inflationssicheren und wertstabilen Kapitalanlagen. In diesem Spannungsfeld etabliert sich eine Anlageklasse, die beide Anforderungen elegant miteinander verbindet: Direktinvestitionen in Photovoltaikanlagen. Anders als bei anonymen Fonds oder schwankungsanfälligen Aktien handelt es sich hierbei 16.09.2026 Langzeitpraktikant*in Redaktion in Vollzeit 40h/Woche 09.09.2026 Sommer-Staycation in Bayern 2027. Warum die Airbnb-Geschenkkarte zum flexiblen Reisegutschein wird Der späte Start hat einen Vorteil, den viele erst auf den zweiten Blick sehen. Während in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen Ende August die Schule wieder läuft, haben bayerische Familien noch zwei volle Ferienwochen vor sich. Wer diese zweite Hälfte nutzt, findet an Chiemsee, Tegernsee oder Bodensee spürbar mehr Ruhe und häufig auch günstigere Unterkünfte als im 04.09.2026 B2B-Marketing zur Wiesn: Wie Unternehmen das Oktoberfest 2026 strategisch nutzen Der September 2026 steht in München und weit über die Stadtgrenzen hinaus wieder ganz im Zeichen der bayerischen Tradition. Für Unternehmen bietet diese Zeit eine hervorragende Gelegenheit, Geschäftsbeziehungen abseits des klassischen Büroalltags zu pflegen und zu vertiefen. Das größte Volksfest der Welt ist nicht nur ein kulturelles Ereignis, sondern ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und ein idealer