Di., 15.07.2014 , 16:42 Uhr

Gericht erörtert Reifenstecher-Vorwürfe gegen Gustl Mollath

War Gustl Mollath der gefährliche Reifenstecher von 2005? Mit dieser Frage hat sich das Landgericht Regensburg am Dienstag befasst. Ein Polizeibeamter sagte als Zeuge, zu 90 Prozent halte er Mollath für den Täter.

Im Wiederaufnahmeverfahren gegen Gustl Mollath hat das Landgericht Regensburg die Vorwürfe der Reifenstechereien unter die Lupe genommen. Der Polizeibeamte, der die Sachbeschädigungen bearbeitet hatte, sagte am Dienstag als Zeuge, er sei zu 90 Prozent überzeugt, dass Gustl Mollath der Täter gewesen sei. «Vor allem, weil die Serie nach der Festnahme abgerissen ist», erläuterte der 59-Jährige. Nachdem mehrere Anwälte, Geschäftsleute und ein Gerichtsvollzieher, die mit dem Fall Mollath beschäftigt waren, 2005 in einem kurzen Zeitraum Anzeigen wegen zerstochener Autoreifen gestellt hatten, habe sich ein Zusammenhang ergeben. Zudem habe ein Anwalt einen Brief von Gustl Mollath mit dem Hinweis erhalten, dass etwas passieren könnte, erläuterte der Zeuge.

 

Bei einer Videoüberwachung eines Tatortes sei später zweimal ein Mann mit Mantel und Baskenmütze aufgezeichnet worden, der sich zu den parkenden Autos gebückt hatte, erläuterte der Polizeibeamte. Dabei sei in einem Fall auch ein Reifen beschädigt worden. Der ermittelnde Beamte hatte die Aufzeichnung auch der Ex-Frau von Gustl Mollath gezeigt. Sie habe angegeben, dass sie das Gesicht nicht erkennen könne, ihr Ex-Mann jedoch einen solchen Mantel und eine solche Mütze besitze, sagte der Zeuge. «Zudem sagte sie, dass der Bewegungsablauf auf ihren Mann deute.»

 

Der 57 Jahre alte Mollath muss sich wegen Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Sachbeschädigung verantworten. Unter anderem soll er 2001 seine damalige Ehefrau körperlich misshandelt und eingesperrt haben. Zudem soll er Dutzende Autoreifen zerstochen haben. Laut Anklage hat Gustl Mollath sich an Menschen rächen wollen, die an der Scheidung von seiner Frau beteiligt waren oder sich sonst irgendwie gegen ihn gewandt hatten.

Zum Teil waren die Reifen derart fachgerecht angestochen, dass sie erst nach vielen Kilometern platt wurden. Ein Geschädigter hatte geschildert, dass sein Auto bei Tempo 200 Luftdruck verloren hatte und in einer Baustelle ins Schlingern geraten war. Die Verteidigung geht dagegen von manipulierten Vorwürfen aus.

 

Zu den Geschädigten gehörten nach Angaben des Zeugen mehrere Rechtsanwälte, darunter die Scheidungsanwältin von Frau Mollath, deren neuer Ehemann sowie Anwälte der benachbarten Kanzlei. Auch am Auto des für Mollath zuständigen Gerichtsvollziehers waren die Reifen zerstochen. Dieser hatte unter anderem mehrere wertvolle Sportwagen von Gustl Mollath gepfändet. Bei einem Autohändler, der beim Auszug von Mollaths Exfrau geholfen hatte, wurden zahlreiche Reifen an Gebrauchtwagen und gelagerte Reifen beschädigt.

Der Polizeibeamte erläuterte weiter, dass Gustl Mollath für eine Befragung zunächst nicht in seinem Haus angetroffen wurde. Nachdem ein Haftbefehl wegen der Zwangsbegutachtung gegen Mollath erlassen wurde, seien Polizisten am 13. Februar 2005 mit Hilfe eines Schlüsseldienstes in dessen Haus gelangt. Dabei wurden ein Mantel und eine Baskenmütze sichergestellt. Bei der Vernehmung am folgenden Tag habe ihn Mollath sofort angeschrien und von «Polizeistaat» gesprochen, sagte der Zeuge.

 
Einer der damaligen Beamten, die Mollath in dessen Haus festgenommen hatten, erläuterte als Zeuge, dass zunächst das Gebäude umstellt worden sei. Er habe eine Person im Haus gesehen, auf Klingeln habe aber niemand reagiert, sagte der 39-Jährige. Nach dem Eindringen in das Haus sei Gustl Mollath dann in einem Versteck auf dem Dachboden entdeckt worden. «Herr Mollath war recht ungehalten, hat laut herumgeschrien und sei unterschwellig aggressiv gewesen.» Deshalb habe man Handfesseln angelegt. Mollath habe leicht ungepflegt gewirkt und sein Haar sei zerzaust gewesen. Danach sei er in eine Zelle der Nürnberger Polizei gebracht worden.

 

Der Prozess wird an diesem Mittwoch fortgesetzt. Dabei wird auch erstmals ein Psychiater zu Wort kommen. Dieser hatte im ersten Verfahren gegen Mollath vor dem Amtsgericht Nürnberg vor elf Jahren ein Gutachten erstellt, ohne mit dem Angeklagten selbst gesprochen zu haben.

 

 

jn / dpa

Mollath Regensburg Reifenstecher

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