Mi., 26.10.2016 , 15:19 Uhr

Horror-Clowns machen Polizei viel Arbeit - wenige Fälle in Bayern

Dieser Tage könnte man meinen, unzählige Horror-Clowns machen die Straßen unsicher. Tatsächlich sehen die Statistiken der bayerischen Polizeipräsidien eher übersichtlich aus. Den Beamten machen die Geschichten über die Schock-Angriffe dennoch viel Arbeit.

 

 

München – Vor allem Gerüchte um Horror-Clowns machen den bayerischen Polizisten derzeit zu schaffen – wirklich strafrechtlich relevante Fälle gab es bislang hingegen kaum. Das ergab am Mittwoch eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei den Polizeipräsidien im Freistaat.

 

„Da existieren sehr viele Falschmeldungen“, sagte etwa ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Dem gegenüber stehe nur eine geringe Zahl verifizierter Fälle. Da nicht alle Angriffe – vor allem nicht alle angeblichen – erfasst werden, konnten die Behörden keine exakte Zahl nennen. In den Zuständigkeitsbereichen vieler Präsidien ist sie aber einstellig und damit vergleichsweise gering. Rund 200 polizeilich erfasste Vorfälle meldete etwa Nordrhein-Westfalen.

 

Der Sprecher aus Rosenheim sagte, in Sozialen Netzwerken werde dazu aufgerufen, Clown-Sichtungen zu melden. Manche Meldungen seien aber kurz darauf wieder verschwunden. „Das Thema beansprucht unsere Personalreserven“, sagte ein Sprecher des Präsidiums Oberfranken. Denn die Polizisten gehen vielen Meldungen nach. Bei weitem nicht alle Sichtungen werden den Ermittlern aber gemeldet.

 

Video: In München waren am vergangenen Wochenende sieben Fälle von der Polizei gemeldet worden:

 

 

Das Präsidium Oberfranken hatte am Dienstag mitgeteilt, dass sich ein 38-Jähriger wegen einer Falschmeldung über eine angeblich gewalttätige Attacke von Horror-Clowns verantworten muss. Ihm drohen eine Geldstrafe – oder im härtesten Fall sogar drei Jahre Haft. Auch wenn ein Horror-Clown gefasst wird, wie etwa in Aschaffenburg geschehen, ermitteln die Behörden gegen ihn wegen Nötigung.

 

Ein Sprecher des Präsidiums Oberpfalz sagte, sehr viele Leute wollten Panik schüren und meldeten daher angeblich Clown-Sichtungen. Bisher habe sich aber nur ein Fall bestätigt und dabei sei niemand zu Schaden gekommen. Ähnlich klang es in Oberbayern Nord. Aus Augsburg hieß es, die meisten Meldungen beruhten auf derzeit nicht nachweisbaren Schilderungen von Trittbrettfahrern oder Personen, „die auch einen „Beitrag“ zu dem Thema liefern wollten, warum auch immer“.

 

Anders sieht es in Kempten aus, wo ein Neunjähriger nach einer Horror-Clown-Attacke Schlafstörungen hat, wie ein Polizeisprecher sagte. Dies sei aber im Bereich des Präsidiums Schwaben Süd der bisher einzig strafrechtlich relevante Fall.

 

Dass sehr viele Polizisten das Ganze alles andere als lustig finden, wird an einer am Mittwoch von der Inspektion Neutraubling verschickten Mitteilung zu einem Horror-Clown deutlich. Sie startet mit den Worten: „Vom Grundsatz her wollte sich die PI Neutraubling nicht an die Berichterstattungen bezüglich der Auftritte von Horror-Clowns beteiligen.“ Aber es gebe schon Presseanfragen. Auch der Sprecher des Präsidiums Oberpfalz sprach von einem „Hype der Medien.“ Der Sprecher des Präsidiums Schwaben Süd meinte, derzeit herrsche durch die Berichterstattung Verunsicherung. In einem Fall sei der angebliche Clown ein Mitarbeiter der Stadt in Warnweste gewesen.

 

„Es ist durchaus vorstellbar, dass die Zeit vor und an Halloween vermehrt dazu genutzt wird, diese Masken zu kaufen und auch zu tragen“, meinte ein Sprecher des Präsidiums Unterfranken. „Durch das Zusammentreffen des Halloween-Tages mit den ersten Taten und Mitteilungen in den Tagen vor Halloween und dem großen Interesse in den klassischen wie auch neuen Medien rechnen wir mit einem vermehrten Auftreten dieses Phänomens vor und auch an Halloween.“

 

Schade seien die Folgen voraussichtlich für Kinder, die an Halloween einfach nur „Süßes oder Saures“ wollten, bedauerte sein Kollege aus Oberfranken. „Die Vorfälle geraten zum Nachteil der Kinder.“ Ein Sprecher des Polizeipräsidium Schwaben Nord meinte: „Aber spätestens mit oder kurz nach Halloween sollte der Spuk dann endgültig vorbei sein – die Hoffnung stirbt zuletzt.“

 

dpa/lby

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