Inventur im Sea Life München

Das große Fisch-Zählen: Aquarienwelt Sea Life macht Inventur

Wenn bei der Inventur gebissen wird: In München lässt sich die Aquarienwelt Sea Life beim jährlichen Fisch-Zählen von Schülern über die Schulter gucken. Um bei den flinken Tieren den Überblick nicht zu verlieren, behelfen sich die Mitarbeiter mit einigen Tricks.

 

München – Der Hai beißt in Serdar Karagözs Hand. Behutsam wischt der 38-Jährige den Angreifer beiseite – vergebens. Der Fisch hat es auf seine Hand abgesehen. «Sie sind ein bisschen aufgeregt, weil heute gefüttert wird», erklärt der Aquarist vom Sea Life den Fünftklässlern eines Münchner Gymnasiums. Er leuchtet mit einer Taschenlampe auf einige Hai-Eier an einer Wasserpflanze. Das Großaquarium hatte am Donnerstag zur jährlichen Inventur geladen.

 

Nach eigenen Angaben beherbergt das Sea Life München rund 3000 Tiere in 39 Becken, darunter jeweils 20 verschiedene Hai- und Brassenarten, diverse Seepferdchen und Kraken. Aquaristen wie Karagöz sind die Tierpfleger dieser Unterwasserwelt. Eine ihrer Aufgaben: Sie zählen monatlich alle Bewohner. «Hundertprozentige Sicherheit» biete aber nur die jährliche Inventur, sagt Karagöz. Manchmal setzten Besucher beispielsweise Haustiere einfach aus: «An anderen Standorten haben Leute Schildkröten in einer Tasche reingeschmuggelt.»

 

Aufwendig ist die Jahresinventur jedoch nicht nur, weil mancher sein Tier im Sea Life entsorgt. Gerade bei flinken, scheuen Fischen, die im Schwarm schwimmen, hilft sich der Aquarist mit Tricks. Laut Karagöz verwende man beim Zählen in kleinen Becken Fotos. Bei großen Schwärmen könne er aber auch nur schätzen, sagt der 38-Jährige. Deshalb lautet seine Prognose: «Wir sind mit der Jahresinventur noch bis Ende Januar beschäftigt.»

 

Zum mittlerweile fünften Mal lädt das Münchner Großaquarium Schüler zum Fisch-Zählen. Begeistert sind die Fünftklässler vor allem von Gonzales, einer grünen Meeresschildkröte. Karagöz lockt das Tier mit Salat an die Wasseroberfläche des Ozeanbeckens. Den Panzer misst er mit einem Maßstab aus Holz. «Wie lang?», fragt der zwölfjährige Richard. 94 Zentimeter lautet das Ergebnis. «Gonzales ist seit letztem Jahr gewachsen», sagt Karagöz.

 

Die Meeresschildkröte ist auch das Lieblingstier von Karagöz. «Wenn Gonzales nicht mehr da ist, würde ich vielleicht sogar gehen.» Sein Beruf – besonders auch die Inventur – mache ihm aber sehr viel Spaß. Richard hat er an diesem Tag nicht vom Beruf des Aquaristen überzeugen können. «Das ist mir zu anstrengend», sagt der Schüler. «Mir genügt mein Aquarium zu Hause.»

 

Von Sebastian Blum, dpa

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