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Was ändert sich mit dem neuen SCHUFA-Score?

Seit dem 17. März wird im SCHUFA-Account statt eines Prozentwertes ein dreistelliger Punktestand angezeigt.

Die SCHUFAHolding AG hat an diesem Datum den bisher gültigen Basisscore eingestellt und durch den sogenannten NextGen Score 1.0 ersetzt. Wer wie die meisten an den 97,5-Prozent-Wert gewöhnt ist, fragt sich jetzt vermutlich, ob 812 Punkte gut oder nur mittelmäßig sind.

Diese Neuerung ist die bislang größte Umstellung in der Geschichte der SCHUFA, die Daten zu fast 68 Millionen Menschen speichert. Sie betrifft so gut wie jeden Bereich des täglichen Lebens, in dem es auf die Bonität ankommt: Kredit, Miete, Handyvertrag, Ratenkauf.

 

Zwölf Kriterien statt einer Blackbox

Die künftige Berechnung basiert auf zwölf offengelegten Kriterien. Jedes Kriterium umfasst eine bestimmte Punktespanne, die sich in der Summe zum Gesamtscore ergänzen. Den größten Einfluss auf die Bewertung haben dabei Zahlungsstörungen wie beispielsweise offene Forderungen, Mahnungen oder Inkassofälle, die mit bis zu 264 Punkten in die Berechnung einfließen können. Danach folgen mit bis zu 117 Punkten Anfragen und Abschlüsse von Girokonto- und Kreditkarten, jeweils in den letzten 12 Monaten, und mit bis zu 94 Punkten die Dauer der aktuellen Wohnanschrift. Ratenkredite, die Restlaufzeiten fremder Darlehen, das Vorliegen eines Immobilienkredits und eine bestätigte Identitätsprüfung, die zwischen 38 und 55 Punkte wert ist, finden sich etwas weiter hinten im Ranking.

Früher wurde bei der SCHUFA-Auskunft ein nicht offengelegter Rechenweg mit rund 250 unterschiedlichen Berechnungskriterien für die Bewertung sämtlicher darin gespeicherter Daten zugrunde gelegt. Das neue Berechnungssystem macht die Verarbeitung fremder Daten nachvollziehbar. Einzige Ausnahme ist hierbei die exakte Rechenformel, deren Gewichtung einzelner Kriterien auch weiterhin Geschäftsgeheimnis bleibt. Man kann lediglich nachvollziehen, wie umfangreich eine Bewertung im Verhältnis zu dem jeweiligen Kriterium ausfällt. So wurde unter anderem auch kritisiert, dass allein die Dauer einer Anschrift mit bis zu 94 Punkten höher gewertet wird als manche finanzielle Kriterien. Denn an sich sagt ein häufiger Wohnungswechsel nicht viel über die Zahlungsdisziplin aus. Da sie jedoch gemäß der Neuerung auch in die Berechnung einfließt, kostet das hier eben auch Punkte.

Liegt eine offene Zahlungsstörung vor, berechnet die SCHUFAgar keinen Score. Es gibt stattdessen einen Hinweis auf die Störung. Das ist für Betroffene nicht unbedingt schlechter, weil die Unternehmen im Einzelfall entscheiden, ob sie trotzdem einen Vertrag anbieten.

 

Was hilft, wenn die Historie zu dünn ist

Wer nach der Umstellung in der Kategorie „akzeptabel“ landet oder sogar im Bereich „erhöhtes Risiko“, ist nicht chancenlos. Eine Finanzierung ohne Schufa-Auskunft bieten einige Banken im europäischen Ausland an, üblicherweise für kleinere Beträge und gegen Nachweis eines festen Einkommens, während transparente Vergleichsportale wie Netkredit24 mit reinen Konditionsanfragen arbeiten, die der Score nicht registriert. Der Unterschied zwischen einer Konditions- und einer Kreditanfrage klingt nach Bürokratie, ist aber wichtig: Nur die zweite fließt in die Bewertung ein.

Einen zweiten Effekt der Reform kennen die wenigsten. Wer mehrere Angebote innerhalb von 28 Tagen vergleicht, wird im neuen Modell nur noch einmal gezählt. Bisher hat jede Anfrage den Score spürbar gedrückt, was Vergleichen praktisch bestrafte. Diese Korrektur war überfällig und dürfte die eigentliche Verbesserung für Verbraucher sein, größer als die viel beworbene Transparenz.

 

Für acht Prozent wird es enger

Nach Angaben der SCHUFA, bestätigt durch eine gemeinsame Auswertung mit dem Handelsblatt, bleibt die Bonitätsklasse für 83 Prozent der Verbraucher unverändert. Neun Prozent rutschen in eine bessere Klasse, acht Prozent in eine schlechtere. In den ersten Wochen nach dem Stichtag häuften sich in Online-Foren Berichte von Nutzern, deren Wert über Nacht gefallen war, obwohl sich an ihrem Zahlungsverhalten nichts geändert hatte. Das ist kein Widerspruch zur Statistik. Es bedeutet nur, dass die Gruppe der Verschlechterten genau weiß, dass sie verschlechtert ist, während die 83 Prozent der Unveränderten keinen Anlass haben, darüber zu schreiben.

Getroffen hat es vor allem drei Gruppen: Junge Menschen ohne lange Finanzhistorie, weil ihnen Punkte für Kontoalter und Kreditlaufzeit fehlen. Häufige Umzügler, wegen des stark gewichteten Adressalters. Und Personen, die in den vergangenen Monaten viele Verträge abgeschlossen haben, etwa beim Auszug aus dem Elternhaus oder nach einer Trennung, wenn Mobilfunk, Strom, Internet und Girokonto neu beantragt werden müssen.

Dazu kommt die verkürzte Löschfrist. Einmalige Zahlungsverzögerungen verschwinden nach 18 Monaten statt wie zuvor nach drei Jahren aus der Datei, sobald die Forderung beglichen ist. Das hilft genau den Verbrauchern, die sich nach einem finanziellen Engpass wieder gefangen haben.

 

Eine Entscheidung aus Luxemburg als Auslöser

Die SCHUFA hat die Reform lange als eigene Transparenzoffensive vermarktet. Der Auslöser liegt allerdings beim Europäischen Gerichtshof. Im Urteil vom 7. Dezember 2023 hat der EuGH festgestellt, dass die automatisierte Erstellung eines Bonitätsscores unter bestimmten Bedingungen gegen Artikel 22 der Datenschutz-Grundverordnung verstößt, nämlich dann, wenn Banken oder andere Unternehmen ihre Vertragsentscheidungen maßgeblich auf diesen Wert stützen. Rechtlich standen Auskunfteien damit unter Zugzwang.

Warum 2026 plötzlich möglich ist, was jahrelang als unmöglich galt, erklärt sich aus diesem Druck. Transparenz war nicht Teil des Geschäftsmodells, solange die alte Rechtslage es nicht erzwungen hat.

 

Warum die Umstellung in München besonders zählt

Im ersten Quartal 2026 lag der Mietpreis in München laut ImmoScout24 bei durchschnittlich 20,44 Euro pro Quadratmeter, ein Plus von 5,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt und Altstadt-Lehel sind es über 24. Wer hier eine Wohnung sucht, hat es mit Massenbesichtigungen zu tun. Und mit Bewerbungsmappen, in denen die SCHUFA-Bonitäts Auskunft fast so selbstverständlich vorn liegt wie die Gehaltsabrechnung.

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