Fr., 11.03.2016 , 09:11 Uhr

Bayerns Wirtschaft sieht Milliardenschaden durch Fachkräftemangel

Gut ausgebildete Fachkräfte sind schon jetzt Mangelware in Bayern – und die Lücke wird immer größer. Das drückt auch auf’s Wachstum. Deshalb will die Wirtschaft verstärkt auch um Frauen werben.

 

Der wachsende Fachkräftemangel bremst die bayerische Wirtschaft empfindlich. Derzeit fehlten im Freistaat rund 140 000 Fachkräfte, und bis 2030 könnte die Lücke auf rund 424 000 fehlende Fachkräfte anwachsen, ergab ein Report der bayerischen Industrie- und Handelskammern, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. „Der bayerischen Wirtschaft entgeht dadurch eine Wirtschaftsleistung von schätzungsweise elf Milliarden Euro im Jahr“, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages, Peter Driessen.

 

„Je größer der Fachkräftemangel wird, umso mehr steigt auch dieser volkswirtschaftliche Verlust.“ Umgekehrt würde ein Schließen der Lücke deutliche Wachstumsimpulse bringen, so Driessen. Besonders kleine Unternehmen hätten im Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter häufig das Nachsehen, und manche müssten deshalb sogar das Handtuch werden. „Ein besonders kritischer Punkt ist dann erreicht, wenn es nicht nur an Mitarbeitern fehlt, sondern auch kein Nachfolger für die Unternehmensführung in Sicht ist“, so Driessen.

 

Am gravierendsten ist die Personalnot laut Report in Berufen der Unternehmensführung und -organisation, im Maschinenbau und der Betriebstechnik, in technischen Forschungs- und Entwicklungsberufen sowie in Konstruktions- und Produktionssteuerungsberufen. Auch in den Bereichen Gesundheit, Körperpflege und Wellness werden qualifizierte Kräfte gesucht. Bei akademischen Berufen gibt es vor allem einen Mangel an Elektroingenieuren.

 

Um gegenzusteuern, will die Wirtschaft auch verstärkt um Frauen als Fach- und Führungskräfte werben. „Die Betriebe müssen noch viel mehr in die Vereinbarkeit von Beruf und Familie investieren, um qualifizierte Frauen – und Männer – langfristig ans Unternehmen zu binden“, erklärte Driessen. In Bayern setzten sich die Kammern für eine breite Berufsorientierung ein, um mehr Schulabgängerinnen auch für technische Berufe zu begeistern.

 

Auch in den Flüchtlingen sieht Driessen ein großes Potenzial, erklärte aber auch: „Ob sie mit ihren Qualifikationen am deutschen Arbeitsmarkt Erfolg haben, ist vom Einzelfall abhängig.“ Nur ein sehr kleiner Teil der Menschen sei sofort und ohne sprachliche und berufliche Qualifizierung einsetzbar. „Aus diesem Grund ist es eher unwahrscheinlich, dass die Flüchtlinge kurz- oder mittelfristig in die aktuellen Mangelberufe gebracht werden können. Vielmehr brauchen wir eine groß angelegte Qualifizierungsoffensive für die Flüchtlinge.“ Dafür hätten die bayerischen IHKs in diesem Jahr ein Budget von acht Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

 

rg / dpa

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