Di., 11.02.2014 , 15:47 Uhr

Kabinett bekräftigt Stromtrassen-Moratorium

Trotz parteiübergreifender und teils massiver Kritik hat das bayerische Kabinett sein umstrittenes Moratorium zum Bau bestimmter Stromtrassen noch einmal bekräftigt.

 

Es werde weiterhin als sehr sinnvoll angesehen, dass eine Unterbrechung der Planung der betreffenden Trassen stattfinde, hieß es am Dienstag nach der Kabinettssitzung in München.

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) betonte, man wolle «nicht jahrelang ein Moratorium». Es gehe nur um einige Monate. Man müsse «im Paket entscheiden», welche Kraftwerke möglicherweise neu gebaut werden müssen und welche neuen Stromtrassen am Ende tatsächlich nötig sind.

 

«Das muss alles im ersten Halbjahr entschieden werden», betonte der CSU-Vorsitzende.

 

Hintergrund

 

Seehofers Kabinett hatte vergangene Woche ein Moratorium für die Planung bestimmter Stromtrassen verfügt – und damit eine bundesweite Welle der Kritik ausgelöst. Merkel sagte dazu am Wochenende: «Es wird Gleichspannungsleitungen geben, darüber sind wir uns auch alle einig.» Insofern sei «ein einfaches Moratorium sicherlich keine Antwort, aber es muss auch eine zeitnahe Überprüfung geben».

 

Seehofer betonte, dass er trotz der parteiübergreifenden Kritik an seinem Kurs festhalte: Zunächst müssten in den kommenden Monaten die künftigen Versorgungsstrukturen geklärt werden. Dabei müsse auch über den Bau neuer Gaskraftwerke entschieden werden. Ebenso werde man sich noch einmal mit der Notwendigkeit und Machbarkeit bestimmter Stromtrassen beschäftigen. «Entschieden wird das am Ende in einem Gesamtpaket. So habe ich es auch wörtlich im Bayerischen Landtag gesagt.» Seehofer hatte vergangene Woche im Landtag gesprochen.
Seehofer betonte: «Wenn am Ende eine bestimmte Trasse notwendig ist, dann sagen wir das und stehen auch dazu – wenn nicht, dann nicht.» Bisher habe aber beispielsweise die Betreiberfirma Amprion weder die Frage der Notwendigkeit noch der genauen Trassenführung der umstrittenen Stromleitung von Oberfranken nach Schwaben beantwortet.

 

Derweil präzisierte die Staatsregierung ihre Pläne zum Bau eines neuen Gaskraftwerks in der Nähe des Atommeilers Grafenrheinfeld – und erhob in dem Zusammenhang klare Forderungen an den Bund. «Wir wollen ein Kraftwerk mit schnell hochfahrender Gasturbine im räumlichen Umfeld von Grafenrheinfeld», sagte Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) der «Passauer Neuen Presse» (Montag). «Dann sind wir nicht auf Produzenten andernorts angewiesen, die Versorgungssicherheit in Bayern wird höher und die Netzstabilität lässt sich mit geringeren Eingriffen gewährleisten.» Der Bund müsse die Anlage ausschreiben und für wirtschaftliche Rahmenbedingungen sorgen, verlangte Aigner. Erst müsse man schauen, wo neue Gaskraftwerke gebaut werden, dann könne man «darüber reden, welche Netze wir brauchen», stellte sie klar.

 
Den Bau eines neuen Gaskraftwerks hatte Aigner bereits im Dezember als «zwingend erforderlich» bezeichnet, um die Stromproduktion des Atomkraftwerks Grafenrheinfeld zu kompensieren. Grafenrheinfeld soll Ende 2015 stillgelegt werden. Um welchen Standort es sich genau handelt, wollte Aigner aber weder im Dezember noch jetzt sagen.

 

Die Grünen halten die Forderung nach einem neuen Gaskraftwerk zum jetzigen Zeitpunkt für völlig daneben. «Das mag sein, dass man 2022 vielleicht das eine oder andere Gaskraftwerk in Bayern braucht – aber nicht 2015», sagte Landtagsfraktionschef Ludwig Hartmann. Zuletzt seien die vorhandenen Gaskraftwerke im Durchschnitt nur zu rund 20 Prozent ausgelastet gewesen. Hektik oder Eile beim Bau neuer Kraftwerke entbehrten damit energiepolitisch jeder Grundlage.

 

Der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromproduktion liegt in Bayern derzeit bei 32 Prozent, 2009 waren es noch 24,6 Prozent. Das geht aus einer aktuellen Übersicht des Wirtschaftsministeriums hervor, aus der die «PNP» als erstes zitiert hatte. Die Ausbauziele – 2018 40 Prozent und 2021 dann 50 Prozent – seien «in Reichweite». Windkraftanlagen decken demnach aktuell etwa 1,5 Prozent des Stromverbrauchs. In ihrem Energiekonzept aus dem Jahr 2001 hatte die Staatsregierung noch ein Ausbauziel von 6 bis 10 Prozent bis 2012 ausgegeben. Inzwischen aber hat die Regierung ihren Kurs bei der Windkraft geändert. Bei Wasserkraft, Photovoltaik, Biomasse und Geothermie liegt Bayern dem Papier zufolge bundesweit an der Spitze.

 

SPD-Vize Ralf Stegner griff Seehofer scharf an. «Seehofer hat nur die bayerischen Kommunalwahlen im Blick. Der Rest ist ihm egal. So kann man nicht seriös regieren», sagte Stegner der «Bild»-Zeitung. Seehofer sagte dazu lediglich: «Was der Herr Stegner sagt oder die SPD-Generalsekretärin, das interessiert mich nicht. Ich muss schauen, dass die Koalitionsspitzen ordentlich arbeiten.» Und das sei der Fall: Merkel, SPD-Chef Sigmar Gabriel und er hätten ständig Kontakt.

 

 

jn / dpa

CSU Seehofer Stromtrassen-Moratorium

Das könnte Dich auch interessieren

27.05.2026 Gemi Elettronica: technologische Lösungen für moderne Sicherheit und Komfort in Haus und Landwirtschaft Auch wenn diese beiden Systeme auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben, verbindet sie eine klare Philosophie: technische Lösungen sollen nicht kompliziert sein, sondern das Leben einfacher, sicherer und effizienter machen. Genau darauf ist die Produktentwicklung von Gemi Elettronica ausgerichtet.   Technologie als Antwort auf reale Alltagsprobleme In vielen Haushalten und landwirtschaftlichen Betrieben treten immer 20.05.2026 Wie lange dauert eine Masterarbeit? Bearbeitungszeit, Zeitplan und realistische Erwartungen Die Masterarbeit markiert den Abschluss eines mehrjährigen Studiums – und viele Studierende fragen sich schon Monate vorher, wie lange eine Masterarbeit eigentlich dauert und ob die offiziellen Vorgaben mit der Realität übereinstimmen. Laut den Prüfungsordnungen vieler deutscher Hochschulen, darunter die LMU München, die TU München und die Universität Hamburg, beträgt die reguläre Bearbeitungszeit sechs Monate. 20.05.2026 München für Länger: Warum möbliertes Wohnen die bessere Alternative zum Hotel ist Wer für ein Projekt, eine neue Arbeitsstelle oder eine längere Weiterbildung nach München kommt, kennt das Dilemma: Ein Hotelzimmer wird auf Dauer unpersönlich und teuer, während die Suche nach einer Mietwohnung auf dem angespannten Münchner Markt oft frustrierend und zeitaufwendig ist. Genau hier schließt eine clevere Lösung die Lücke: Business Apartments und möblierte Wohnungen auf 15.05.2026 Tag der Alltagsbegleiter: Die stille Kraft, die Familien trägt An ihrer Seite ist an diesem Morgen Marta, Alltagsbegleiterin. Sie antwortet nicht mit Korrektur, nicht mit Ungeduld, nicht mit einem schnellen „Aber Sie sind doch zu Hause“. Sie setzt sich zu Frau Krüger, nimmt Blickkontakt auf und sagt ruhig: „Wir bleiben jetzt erst einmal hier zusammen. Ich bin da.“ Dann stellt sie eine Tasse Tee