Mi., 02.03.2016 , 10:21 Uhr

Mit 70 auf die Piste: Ski-Hersteller haben Senioren im Blick

Immer mehr Senioren fahren Ski. Deshalb rückt die ältere Klientel in den Fokus von Skischulen, Skigebieten und Skiherstellern. Die Unternehmen scharen sich um viele potenzielle Neukunden

 

Aus ihrer Kindheit kennen viele Senioren noch die langen und schweren Holzlatten zum Skifahren – jetzt spezialisieren sich die Skihersteller auf die ältere Generation. Mit besonders gelenkschonenden, leichten und kraftsparenden Ski soll den „Silver Surfern“ das Skifahren so einfach wie möglich gemacht werden.

 

Wo warme Winter vielen Herstellern und Pistenbetreibern Probleme und Umsatzeinbußen einbrocken, geht es umso mehr darum, Skifahrer für den Wintersport wiederzugewinnen. Oder überhaupt erst einmal für das rasende Abenteuer zu begeistern.

 

„Man kann sicher feststellen, dass Senioren und ältere Erwachsene eine wachsende Zielgruppe darstellen“, sagt Peter Hennekes, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Skilehrerverbandes. Die ältere Generation werde immer sportbegeisterter und betätige sich dank der zunehmenden Freizeit im Alter häufiger körperlich. Im vergangenen Winter seien 12 Prozent der Kunden 50 Jahre und älter gewesen. „Das ist ein langsam, aber stetig steigendes Segment“, berichtet Hennekes.

 

Die Skischulen haben sich auf die sogenannten Best Ager schon länger eingestellt. Seit fünf Jahren gibt es spezielle Skikurse für Senioren. „Es geht darum, der erwachsenen Zielgruppe wieder den Schwung im Schneesport näher zu bringen – von der emotionalen Seite und der klassischen Bewegungsseite her“, erklärt Hennekes. Themen der Kurse sind dann etwa: Wie kann ich mit weniger Kraftaufwand Ski fahren? Wie können Stürze vermieden werden?

 

Auch Skigebiete locken Senioren mit teils großzügigen Rabatten auf die Skipässe. In den „Alpen-Plus“-Skigebieten Brauneck, Wallberg, Spitzingsee-Tegernsee, Sudelfeld und Zahmer Kaiser fährt man mit 80 Jahren und älter sogar ganz umsonst. Aus Hennekes‘ Sicht ist es deshalb „längst überfällig“ und logisch, dass auch die Skihersteller gezielt Senioren als Zielgruppe in den Fokus nehmen.

 

Der ursprüngliche Anstoß dazu sei aus Japan gekommen, berichtet Völkl-Geschäftsführer Christoph Bronder. Dort seien die aktiveren älteren Skifahrer nach und nach ein größeres Thema geworden. In Zusammenarbeit mit Orthopäden hat der letzte große deutsche Skihersteller aus Bayern in diesem Winter passende Modelle auf den Markt gebracht. Die Serie nannten die Straubinger „Efficiency“ (Leistungsfähigkeit) – das Wort Senior taucht im Zusammenhang mit der Ski-Linie nirgends auf.

 

Schlaues Marketing, findet Werner Haizmann, Präsident des Verbands deutscher Sportfachhandel. „Denn es kommt keiner in ein Fachgeschäft rein und sagt: „Ich bin Senior.“ Die sagen eher: „Ich fahre langsamer.“

 

Bei Völkl hat man durch Studien eine Zielgruppe aus „sportlich aktiven älteren Skifahrern“ ausgemacht, die „zum Beispiel wegen Knieproblemen eingeschränkt sind, aber eigentlich nicht auf das Skifahren verzichten möchten“. Der „Efficiency“-Ski für happige rund 750 Euro – er soll besonders leichtgängig, kraftsparend, knieschonend und drehfreudig sein – eigne sich für all jene, die zwar sportlich fahren, sich aber nicht mehr plagen wollen.

 

Der Schweizer Skihersteller Stöckli hat ebenfalls keine speziell titulierten Senioren-Ski im Sortiment, dafür aber Ski fürs „gemütliche Cruisen auf der Piste“. Mit speziellen Aktivitäten wende man sich aber auch direkt an Senioren. „Wir arbeiten in diesem Bereich vor allem mit spezialisierten Organisationen zusammen, die sich an Senioren richten“, sagt Stöckli-Sprecher Marco Alessandri.

 

Auch der österreichische Skihersteller Fischer vermeidet eine Kategorisierung nach Alter und Können des Läufers. Die Raster bilden vielmehr die Motive fürs Skifahren: Racing, Sport und Nordic Cruising. In den letzten beiden Kategorien würden auch „Personen mit Technikmängeln und einem etwas schlechteren Fitnesszustand“ fündig.

 

Obendrein sind laut dem Hersteller Uvex auch Helme, Skibrillen und Skihandschuhe deutlich leichter und flexibler geworden. Das ist auch Hennekes aufgefallen. Der Trend gehe im Skisport allgemein zu mehr Komfort, was vor allem den Senioren zugutekomme. „Aber letztlich will sich ja keiner Klötze ans Bein schnallen.“

 

rg/dpa

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