Mi., 20.04.2016 , 16:10 Uhr

Nach Schießerei in München - Opfer im Koma

Schüsse peitschen, Straßen sind abgeriegelt – Szenen wie in einem Wildwestfilm mitten in München. Hintergrund war ein Beziehungsstreit. Wie viele Schüsse insgesamt fielen, ist noch unklar – ein Projektil im Körper des Opfers stammte womöglich aus einer Polizeiwaffe.

 

München – Dramatische Szenen mitten in München: Ein 40 Jahre alter Mann zückt im Streit mit seiner 24-jährigen Ex-Partnerin und deren gleichaltrigem Freund einen Revolver und schießt. Um den Mann zu stoppen, greifen auch Polizeibeamte zur Waffe. Die Bilanz des dreistündigen Einsatzes am Dienstagabend: Das Opfer im künstlichen Koma, der Angreifer verletzt. Die Staatsanwaltschaft will gegen den 40-Jährigen Haftbefehl wegen versuchten Mordes beantragen, wie Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch am Mittwoch sagte.

 

 

Die getrennt lebenden Partner hatten sich offenbar zufällig getroffen, da sie im Streit um das Sorgerecht für die gemeinsamen elf Monate und vier Jahre alten Kinder unabhängig voneinander Termine bei einer Gutachterin hatten. Die Polizei konnte die Lage erst nach Stunden entschärfen und den Mann überwältigen. Dieser hielt sich zwischenzeitlich die Waffe an den Kopf und drohte mit Selbstmord. Schließlich griff ein Spezialeinsatzkommando (SEK) zu.

 

Die Ermittler haben nun doppelt Arbeit. Sie müssen Tathergang und Hintergründe klären – und sich mit dem Schusswaffengebrauch der Beamten befassen. Denn der 24-Jährige war von drei Schüssen getroffen worden, ein Projektil stammte nicht aus dem Revolver des 40-Jährigen, sondern vermutlich aus einer Polizeiwaffe. Es könnte sich um einen Querschläger gehandelt haben, hieß es. Insgesamt sollen von Seiten der Polizei 15 Schüsse gefallen sein.

 

Ein Projektil aus einer Polizeiwaffe traf den Angreifer ins Bein und stoppte ihn so. Es sei darum gegangen zu verhindern, dass der Mann mit scharfer Waffe durch die Stadt laufe, sagte Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins.

 

 

Schusswaffengebrauch gerechtfertigt?

 

«Vom Grundsatz gehen wir davon aus, dass der Einsatz der Schusswaffen gerechtfertigt war», sagte Steinkraus-Koch. Insgesamt gab es nach bisherigen Erkenntnissen 15 Schüsse aus den Waffen zweier Beamter. Wie viele Schüsse der 40-Jährige abgab, war am Mittwoch noch offen.

 

Am frühen Abend war bei der Polizei ein Notruf eingegangen, Schüsse fielen. Die Polizei riegelte das Gelände ab und forderte Anwohner auf, nicht aus dem Fenster zu schauen. Augenzeugen schilderten dennoch den Einsatz. Demnach verschanzten sich Polizisten mit Waffen im Anschlag hinter Autos und mobilen Schutzwänden. Drei Autos wurden beschädigt. Nachbarn hätten Fotos gemacht und an Medien gegeben. «Wir hoffen, dass sich noch der eine oder andere Anwohner findet, der Fotos zielgerichtet einem guten Zweck zur Verfügung stellen möchte», warb da Gloria Martins, Bilder den Ermittlern zu geben.

 

Den Revolver hatte der Schütze laut Polizei vermutlich in Tschechien besorgt, womöglich schon mit der Absicht, sie gegen den 24-Jährigen einzusetzen. Der Mann, der früher als Gebäudereiniger arbeitete, sei bisher mit kleineren Vermögensdelikten in Erscheinung getreten. Zudem habe es Anzeigen gegeben, unter anderem wegen eines Streits mit seiner Ex-Frau, bei dem auch ein Messer im Spiel war. Es habe sich aber nicht klären lassen, wer von beiden das Messer geführt habe.

 

(dpa/lby)

Maxvorstadt Polizei Schießerei

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