Fr., 07.09.2018 , 09:56 Uhr

Schulanfänger sprechen immer eintöniger

Ständig dieselben Wörter und zu viele Abkürzungen: Der Wortschatz von Kindern nimmt immer mehr ab, kritisiert die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands. Das hat auch Auswirkungen auf den Schulstart.

 

Der Wortschatz von Schulanfängern wird immer eintöniger. «Wir beobachten seit mehreren Jahren, dass die Sprachgewandtheit der Kinder abnimmt», sagte Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands wenige Tage vor Start des neuen Schuljahres. «Das bedeutet nicht zwangsweise, dass die Mädchen und Buben nicht sprechen können, aber die Vielfalt der Wörter und die Flexibilität im Wortschatz sinkt: Die Kinder sprechen immer eintöniger.»

 

Neue Medien eine der Ursachen

Die Gründe dafür sind nach Einschätzung der Pädagogin vielfältig: In den neuen Medien werde immer mehr mit Abkürzungen und mit simplem Wortschatz gearbeitet, in den Familien weniger miteinander verbal kommuniziert und auch in den Kindergärten und Krippen weniger auf gemeinsames Singen und Reimen geachtet. «Das hat natürlich auch Auswirkungen auf den Schulstart», sagte Fleischmann. «Früher konnten die Lehrer auf viel mehr Reime, Singspiele, Rhythmik und Lieder aufbauen. Heute herrscht da teilweise viel Nachholbedarf. Eigentlich müssten dringend zwei Lehrer statt nur einer in den Grundschulklassen stehen, um der Heterogenität der Schulanfänger gerecht zu werden.»

 

Sprachauffälligkeiten nehmen zu

Neben der Sprachgewandtheit nimmt laut Fleischmann auch die Sprechfähigkeit ab – immer mehr Kinder haben Lautbildungs- oder Wort- und Satzbildungsstörungen. Zahlen aus dem Bayerischen Gesundheitsministerium bestätigen dies. So hatte im Schuljahr 2014/15 etwa jedes vierte Vorschulkind eine Sprachauffälligkeit – zehn Jahre zuvor war es nur jedes fünfte. Einer der Gründe hierfür ist laut Ministerium der steigende Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund in der Schuleingangsuntersuchung.

 

Verpflichtende Untersuchung

Die Untersuchung wird derzeit verpflichtend bei allen Kindern im Jahr vor der Aufnahme in die erste Klasse durchgeführt. Vom kommenden Jahr an wird diese jeweils früher stattfinden. «Das Erlernen von Lesen, Schreiben und Rechnen beruht auf Entwicklungsprozessen, die weit vor dem Schuleintritt beginnen und sowohl im familiären Umfeld als auch durch Spezialisten gefördert werden können. Das optimale Förderalter liegt nach heutigen Erkenntnissen im Alter von 4 und 5 Jahren, weshalb die Schuleingangsuntersuchung vorverlegt wurde», sagte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU). «Sie umfasst künftig drei Teile: Ein standardisiertes Entwicklungs-Screening vom Gesundheitsamt, eine schulärztliche Untersuchung und gegebenenfalls Beratung über geeignete Förder- und Therapiemaßnahmen sowie eine weitere schulärztliche Untersuchung im Jahr vor der Einschulung.»

 

 

dpa

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