Das Siemens Gebäude

München: In Siemens-Energiesparte drohen weitere Einschnitte

Das Siemens wegen der Probleme im Geschäft mit Gaskraftwerken Jobs streichen will, ist bereits bekannt. Einem Zeitungsbericht zufolge könnten es aber noch deutlich mehr werden als bisher angenommen.

 

Die Flaute auf dem europäischen Markt für Gaskraftwerke könnte bei Siemens laut einem Zeitungsbericht weitere Stellen kosten. Wie das „Handelsblatt“ (Montag) unter Berufung auf Industriekreise schrieb, steht in der Energiesparte des Konzerns zusätzlich zu den bereits bekannten 1200 Jobs eine vierstellige Zahl an Arbeitsplätzen auf der Kippe. Konkrete Angaben gebe es noch nicht – spätestens im Sommer solle aber Klarheit herrschen. Ein Siemens-Sprecher wollte sich dazu am Montag nicht äußern.

 

Noch am Wochenende hatte der Konzern feste Bestellungen und potenzielle weitere Aufträge im Wert von insgesamt zehn Milliarden Euro zum Ausbau der Stromversorgung in Ägypten besiegelt. An der Börse legten die Siemens-Aktien am Morgen um 1,7 Prozent zu.

 

Energie-Vorstand Lisa Davis hatte zuletzt immer wieder auf Überkapazitäten im Bereich Power & Gas hingewiesen. Großaufträge wie nun aus Ägypten gibt es derzeit für Siemens nur im Ausland.

 

Betrieb von Kraftwerken wird unrentabel

 

Dagegen liegt die Nachfrage nach großen Gasturbinen in Europa am Boden – speziell in Deutschland, wo Siemens viel Vertriebspersonal beschäftigt. „Das wird dazu führen, dass wir eine Reallokation unserer Ressourcen machen müssen, so schmerzhaft das ist“, zitierte das „Handelsblatt“ Konzernchef Joe Kaeser.

 

Der Gewinn des wichtigsten Umsatzbringers brach im ersten Geschäftsquartal bis Ende Dezember schon um fast 40 Prozent ein. Ende Januar forderte Kaeser deswegen ein „deutlich weiterreichendes Konzept, um längerfristig zu den früheren Margen zurückzukehren“. In Deutschland wird der Betrieb vieler konventioneller Kraftwerke vor allem wegen der steigenden Produktion von Ökostrom immer unrentabler.

 

Mit höheren Investitionen will sich Siemens binnen zwei bis drei Jahren wieder an die Spitze der Branche schieben. Das zugekaufte Turbinen-Geschäft von Rolls-Royce und die Übernahme des US-Kompressoren-Herstellers Dresser Rand sollen den Fokus stärker auf kleinere Turbinen für den wachsenden Markt der dezentralen Stromerzeugung legen.

 

rg / dpa

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