Mo., 04.08.2014 , 16:47 Uhr

Ecclestone-Prozess: Antworten auf die wichtigsten Fragen

München – Der Bestechungsprozess gegen Formel-1-Boss Bernie Ecclestone steht vor dem Abschluss. Am heutigen Dienstag könnte das Verfahren nach gut drei Monaten mit einem Paukenschlag zu Ende gehen. München.tv klärt die wichtigsten Fragen.

Worum geht es in dem Prozess?

Die Staatsanwaltschaft hat Ecclestone wegen Bestechung eines Amtsträgers und Anstiftung zur Untreue in einem besonders schweren Fall angeklagt. Hintergrund: Als die BayernLB vor acht Jahren ihre Mehrheit an der Formel 1 verkaufte, hat Ecclestone dem zuständigen Landesbank-Vorstand Gerhard Gribkowsky 44 Millionen Dollar überwiesen. Wofür das Geld genau floss, konnte vor Gericht nicht ganz aufgeklärt werden. Laut Anklage wollte Ecclestone damit Einfluss auf den Käufer der Formel 1 nehmen und seinen Chefposten sichern.

Wieso könnte das Verfahren nun so plötzlich enden?

Am vergangenen Dienstag, dem 20. Verhandlungstag, hatten Ecclestones Verteidiger die Einstellung des Verfahrens beantragt und angeboten, dass Ecclestone 25 Millionen Euro an die BayernLB als Ausgleich zahlen könnte. Die Staatsanwaltschaft zeigte sich offen für den Vorschlag. Über die Höhe der Zahlung haben beide Seiten danach aber noch hart verhandelt: Am Ende soll Ecclestone nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ 100 Millionen Dollar zugesagt haben.

 

Er kann diese Summe wohl problemlos verkraften: Mit der Formel 1 wurde Ecclestone zum Milliardär und gilt als einer der reichsten Männer Englands. Allerdings hat er den Ruf, äußerst sparsam zu sein: Leichtfertig hat er sein Geld daher wohl kaum angeboten. Durch die Zahlung kann er den Prozess, der eigentlich noch bis mindestens Oktober dauern sollte, aber abkürzen und seinen Job an der Formel-1-Spitze behalten.

Dürfen die Richter den Prozess gegen Geld einfach vorzeitig beenden?

Nach der Strafprozessordnung ist das unter Umständen erlaubt. Dort ist im Paragraf 153 a geregelt, dass die Staatsanwaltschaft mit Zustimmung des Gerichts auf eine Anklage verzichten kann und im Gegenzug Auflagen machen kann, etwa die Zahlung von Geld oder gemeinnützige Arbeiten. Das aber nur, wenn damit „das öffentliche Interesse an der Strafverfolgung“ beseitigt werden kann und „die Schwere der Schuld“ dem nicht entgegensteht. Im zweiten Absatz ist geregelt, dass dies auch noch nach Erhebung der Anklage oder Beginn der Hauptverhandlung möglich ist.

 

Die Schwere der Schuld hatte sich in dem Prozess nicht klar beweisen lassen: Mehrere Zeugen hatten Zweifel an der Anklage genährt. Vor allem ließ sich nicht belegen, dass Ecclestone wusste, dass die BayernLB eine staatliche Bank ist und Gribkowsky somit ein Amtsträger. Mehrere Ex-Vorstände und der frühere bayerische Finanzminister hatten vor Gericht gesagt, dass die Landesbank wie eine ganz normale Geschäftsbank aufgetreten sei.

Was hat Ecclestone zu der Anklage gesagt?

Ecclestone hat den Vorwurf der Bestechung von Anfang an zurückgewiesen. In einer ausführlichen Aussage vor Gericht begründete er seine Millionenzahlung an Gribkowsky mit bedrohlichen Äußerungen des Bankers. Gribkowsky habe immer wieder Anspielungen gemacht, dass er dem britischen Finanzamt belastende Informationen liefern könnte. Ecclestone fürchtete nach eigenen Angaben eine hohe Steuernachzahlung. „Ich hätte nicht annähernd das Geld gehabt, um die Steuerforderung von zwei Milliarden Pfund zu begleichen. Ich wäre dann im Alter von 76 Jahren bankrott gewesen und ohne eine Armbanduhr.“

 

Um Gribkowsky zufriedenzustellen, habe er ihm deshalb Geld überwiesen. Weil ein Dauerauftrag nicht rechtzeitig gekündigt wurde, erhielt der Banker am Ende sogar gut eine Million mehr als eigentlich geplant. Gribkowsky hatte hingegen von Bestechungsgeld gesprochen und wurde deshalb bereits zu achteinhalb Jahren wegen Bestechlichkeit verurteilt. Mehrere Zeugen stellten seine Glaubwürdigkeit im Prozess gegen Ecclestone aber infrage und attestierten ihm einen Hang zum Geschichtenerzählen.
 

make/dpa

100 millionen deal Ecclestone Formel 1 Gericht Prozess

Das könnte Dich auch interessieren

18.06.2026 Die KI-Revolution in München: Wie lokale Unternehmen jetzt die Weichen für die Zukunft stellen Künstliche Intelligenz hat das Stadium eines reinen Schlagworts längst verlassen und ist zu einem entscheidenden Wirtschaftsfaktor geworden, gerade hier im Herzen des „Isar Valley“. Für Münchner Unternehmen, vom etablierten Mittelständler bis zum agilen Start-up, ist KI keine ferne Zukunftsvision mehr, sondern ein konkretes Werkzeug zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit. Die Technologie durchdringt sämtliche Branchen und verändert 18.06.2026 Erst die Strategie, dann die Kamera: Was ein Unternehmensvideo in München wirklich erfolgreich macht Bewegtbild ist in den meisten Münchner Unternehmen angekommen – die Kamera läuft, der Film steht auf der Website, ab und zu erscheint ein Clip auf LinkedIn. Trotzdem bleibt bei vielen ein Gefühl zurück: viel Aufwand, wenig Wirkung. Der Grund liegt selten an der Technik, sondern daran, dass Video oft wie ein einmaliges Deko-Projekt behandelt wird 18.06.2026 Bayerns Sonnen-Gold: Wie Direktinvestments in Solarparks mit Batteriespeicher stabile Renditen sichern Die bayerische Wirtschaft steht vor einer doppelten Herausforderung: der Notwendigkeit einer schnellen und nachhaltigen Energiewende sowie dem Wunsch privater und institutioneller Anleger nach inflationssicheren und wertstabilen Kapitalanlagen. In diesem Spannungsfeld etabliert sich eine Anlageklasse, die beide Anforderungen elegant miteinander verbindet: Direktinvestitionen in Photovoltaikanlagen. Anders als bei anonymen Fonds oder schwankungsanfälligen Aktien handelt es sich hierbei 17.06.2026 Mythos Dubai: Zwischen Luxusleben und strengen Regeln – ein Sicherheitscheck für Auswanderer Dubai fasziniert. Die glitzernde Metropole in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) hat sich in den letzten Jahren zu einem Magneten für Expats aus aller Welt entwickelt, insbesondere für Deutsche. Die Bilder von futuristischer Architektur, luxuriösem Lebensstil und ganzjährigem Sonnenschein prägen die Vorstellung von einem modernen Paradies. Doch hinter der makellosen Fassade stellen sich viele die