Do., 06.07.2017 , 09:33 Uhr

Digitalisierung - Wirtschaft fordert rascheren Breitbandausbau für Gewerbegebiete

Mit ihrem 10-Punkte-Plan zur Digitalisierung ist die Staatsregierung aus Sicht der bayerischen Wirtschaft auf dem richtigen Weg – doch es bleiben auch Wünsche offen.

 

Die bayerische Wirtschaft verlangt mehr Tempo bei der Breitbandversorgung von Gewerbegebieten im Freistaat. Zwar griffen die entsprechenden Förderprogramme von Freistaat und Bund gut ineinander, doch gehe der Ausbau schleppender voran als gedacht, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages, Peter Driessen, der Deutschen Presse-Agentur mit Blick auf die Digitalisierungs-Offensive der Staatsregierung. Um dem Mittelstand in der Fläche auf die Sprünge zu helfen, gelte es, sowohl bestehende als auch künftige Gewerbegebiete stärker in den Fokus zu nehmen. Ein Problem dabei seien auch Kapazitätsengpässe bei den erforderlichen Tiefbauarbeiten.

 

Bayern will in den kommenden Jahren drei Milliarden Euro zusätzlich für die Digitalisierung ausgeben und zudem 2000 zusätzliche Stellen schaffen. Zu dem Zehn-Punkte-Plan wollte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) am Donnerstag eine Regierungserklärung abgeben.

 

Driessen hatte die Pläne bereits vorab positiv gewertet, weil damit die richtigen Impulse gesetzt würden. Dabei hob er Akzente in den Bereichen digitale Infrastruktur, IT-Sicherheit, E-Government, Bildung und digitale Technologien hervor. Allerdings fehle eine zentrale Anlaufstelle für Unternehmen beim Thema IT-Sicherheit, bekräftigte Driessen. Auch bei den neuen Digitalisierungszentren in den einzelnen Regionen wünscht sich der BIHK-Hauptgeschäftsführer mehr Ausrichtung auf die Unternehmen als Anwender. Einige der Zentren seien stark auf wissenschaftliche Themen konzentriert, doch «mit der Wissenschaft alleine kommen wir nicht weiter», sagte Driessen.

 

Von entscheidender Bedeutung sei auch das künftige Datenschutzrecht. Zukunftsträchtige Technologien ermöglichten eine Vielzahl neuer Geschäftsmodelle. Hier müsse es praktikable rechtliche Regelungen geben, die etwa das Sammeln anonymisierter Daten beim vernetzten Fahren künftig ermöglichen, sagte Driessen.

 

Eine BIHK-Umfrage hatte einen hohen Digitalisierungsbedarf im bayerischen Mittelstand ergeben. Kleine und mittlere Unternehmen in Bayern hatten dabei ihren Digitalisierungsgrad durchschnittlich mit der Schulnote drei minus bewertet. Nur sieben Prozent betrachteten sich als digital voll entwickelt. In der unteren Hälfte der Digitalisierungsskala sahen sich dagegen fast 40 Prozent der Betriebe.

 

Die IG Metall Bayern sieht derweil die digitale Revolution auch als Chance für die Arbeitnehmer und will dafür die Arbeitgeber stärker in die Pflicht nehmen. «Die Digitalisierung wird die Arbeitswelt gewaltig verändern. Aber das muss nicht schlecht, das kann auch positiv sein», sagte IG-Metall-Bezirkschef Jürgen Wechsler. Zwar dürften etwa zehn Prozent der heutigen Arbeitsplätze wegfallen – auf der anderen Seite entstünden aber neue Berufsbilder und Stellen. Arbeit könne vereinfacht werden, und es werde weniger körperlich schwere und belastende Arbeit geben.

 

Die Unternehmen müssten allerdings viel mehr in Weiterbildung investieren als heute: «Wir brauchen in Deutschland eine Kultur der Weiterbildung», forderte Wechsler. Dass Bayern ein Weiterbildungsgesetz immer noch ablehne, sei schon lange nicht mehr zeitgemäß.

 

dpa

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