Mi., 24.09.2014 , 17:44 Uhr

"Ein Schauprozess" - Früherer Neonazi-Anführer schmäht NSU-Verfahren

Tino Brandt ist einer der bisher wichtigsten und brisantesten Zeugen im NSU-Prozess. Der ehemalige V-Mann macht aus seiner politischen Einstellung – und der zum Prozess – keinen Hehl.

München – Der frühere Neonazi-Anführer Tino Brandt hat das NSU-Verfahren gegen Beate Zschäpe und vier mutmaßliche Terrorhelfer als «Schauprozess» geschmäht. «Ich halte diese NSU-Mordgeschichte privat nicht für glaubhaft und das für einen Schauprozess», sagte Brandt, einst gut bezahlter V-Mann des Thüringer Verfassungsschutzes, am Mittwoch als Zeuge vor dem Münchner Oberlandesgericht (OLG). Die Angeklagten würden «mit Sicherheit» verurteilt, ob die Vorwürfe stimmten oder nicht, und damit müsse man dann eben leben.

 

Der Terrorzelle «Nationalsozialistischer Untergrund» (NSU), die aus der Hauptangeklagten Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt bestanden haben soll, werden unter anderem zehn Morde zur Last gelegt. Neun der Opfer waren Zuwanderer mit türkischen und griechischen Wurzeln. Auf die Frage eines Nebenklage-Vertreters sagte Brandt, er «persönlich» glaube nicht, «dass die zwei Uwes das gewesen sind». «So wie ich sie kennengelernt habe, glaube ich die Geschichte nicht.» Brandt war als Gründer des «Thüringer Heimatschutzes» (THS), aus dessen Umfeld der NSU entstanden sein soll, einer der führenden Köpfe der damaligen Neonazi-Szene. Im NSU-Prozess ist er einer der wichtigsten Zeugen.

 

 

Brandt vor Durchsuchungen gewarnt worden

 

Brandt machte vor Gericht keinen Hehl aus seiner heutigen politischen Einstellung. So sei er nach wie vor der Meinung, dass «die Familienzusammenführung» bei türkischen Familien in der Türkei und nicht in Deutschland stattfinden sollte. Zudem brüstete er sich damit, «genug Führerzitate» von Adolf Hitler zu kennen. Brandt räumte auf Nachfrage Auslandsreisen nach Südafrika und in die USA ein. Dort habe er an Schießübungen teilgenommen. Eine Nebenklage-Anwältin hielt Brandt zudem vor, auch auf einem Grundstück in Thüringen mit Waffen geschossen zu haben – wie auch Böhnhardt. Das wies er zurück.

 

Brandt war von 1994 bis 2001 eine der wichtigsten Quellen der Geheimdienste in der rechtsextremen Szene. Nach Darstellung Brandts hätte sein THS ohne die Zahlungen, die er als V-Mann vom Verfassungsschutz erhielt, «mit Sicherheit nicht die bundesweite Bedeutung und die Größe» bekommen. Das Geld sei für seine politischen Aktivitäten draufgegangen. Zudem bekam Brandt nach seiner Aussage Geld für technisches Gerät und Anwaltskosten. Zwei oder drei Mal sei er auch vor bevorstehenden Durchsuchungen gewarnt worden.

 

Bundesanwaltschaft stützt Verteidigung

 

Unterdessen wurde bekannt, dass der mutmaßliche NSU-Terrorhelfer Ralf Wohlleben aus Protest gegen eine Begrenzung von Wochenendbesuchen in der Haftanstalt München-Stadelheim mit Hungerstreik gedroht hat. Das geht aus einem Schreiben der JVA an das Oberlandesgericht von Anfang August hervor, das der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. Darin heißt es, in einer Sprechstunde habe Wohlleben einer JVA-Abteilungsleiterin angekündigt, er werde über seine Anwälte gegen die neue Regelung vorgehen, «ggf. werde er in den Hungerstreik treten».
Der im NSU-Prozess angeklagte Wohlleben hatte bisher jedes zweite Wochenende Besuch von seiner Frau und seinen beiden Töchtern. Die JVA kündigte nun aber an, wegen Personalmangels keine regelmäßigen Wochenendbesuche mehr zuzulassen – sondern nur noch einmal im Monat. Wohllebens Anwältin Nicole Schneiders sagte, sie habe ein Festhalten an der bisherigen Regelung beantragt. Die Bundesanwaltschaft setzte sich in einem Schreiben an das OLG ebenfalls dafür ein, dass Wohlleben seine Familie so häufig wie bisher empfangen darf – der Staat habe auch bei einem Gefangenen «Ehe und Familie» zu schützen.

 

Zschäpe ist nicht davon betroffen

In Justizkreisen hieß es, bei Wohllebens Hungerstreik-Drohung habe es sich vermutlich um eine «spontane Unmutsäußerung» gehandelt. Man habe aber inzwischen eine einvernehmliche Lösung gefunden. JVA-Leiter Michael Stumpf sagte dazu lediglich: «Wir finden bei berechtigten Anliegen immer eine Lösung.» Er verwies zudem darauf, dass die Justizvollzugsanstalt die Besuchszeiten im Interesse der Angehörigen der Gefangenen von Montag bis Freitag nahezu verdoppelt habe.

 

Die neue Regel gelte nicht nur für Wohlleben, sondern «gleichermaßen für alle Gefangenen», wurde von der JVA betont. In anderen Gefängnissen gebe es zudem ebenfalls Einschränkungen. Die Hauptangeklagte Zschäpe ist demnach von der Neuregelung nicht betroffen, weil sie nie an Wochenenden Besuch bekomme. Zschäpe und Wohlleben sitzen seit November 2011 ununterbrochen in U-Haft.

 

make/dpa

brandt Mord muenchen NSU OLG Wohlleben Zschäpe

Das könnte Dich auch interessieren

18.06.2026 Die KI-Revolution in München: Wie lokale Unternehmen jetzt die Weichen für die Zukunft stellen Künstliche Intelligenz hat das Stadium eines reinen Schlagworts längst verlassen und ist zu einem entscheidenden Wirtschaftsfaktor geworden, gerade hier im Herzen des „Isar Valley“. Für Münchner Unternehmen, vom etablierten Mittelständler bis zum agilen Start-up, ist KI keine ferne Zukunftsvision mehr, sondern ein konkretes Werkzeug zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit. Die Technologie durchdringt sämtliche Branchen und verändert 18.06.2026 Erst die Strategie, dann die Kamera: Was ein Unternehmensvideo in München wirklich erfolgreich macht Bewegtbild ist in den meisten Münchner Unternehmen angekommen – die Kamera läuft, der Film steht auf der Website, ab und zu erscheint ein Clip auf LinkedIn. Trotzdem bleibt bei vielen ein Gefühl zurück: viel Aufwand, wenig Wirkung. Der Grund liegt selten an der Technik, sondern daran, dass Video oft wie ein einmaliges Deko-Projekt behandelt wird 18.06.2026 Bayerns Sonnen-Gold: Wie Direktinvestments in Solarparks mit Batteriespeicher stabile Renditen sichern Die bayerische Wirtschaft steht vor einer doppelten Herausforderung: der Notwendigkeit einer schnellen und nachhaltigen Energiewende sowie dem Wunsch privater und institutioneller Anleger nach inflationssicheren und wertstabilen Kapitalanlagen. In diesem Spannungsfeld etabliert sich eine Anlageklasse, die beide Anforderungen elegant miteinander verbindet: Direktinvestitionen in Photovoltaikanlagen. Anders als bei anonymen Fonds oder schwankungsanfälligen Aktien handelt es sich hierbei 17.06.2026 Mythos Dubai: Zwischen Luxusleben und strengen Regeln – ein Sicherheitscheck für Auswanderer Dubai fasziniert. Die glitzernde Metropole in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) hat sich in den letzten Jahren zu einem Magneten für Expats aus aller Welt entwickelt, insbesondere für Deutsche. Die Bilder von futuristischer Architektur, luxuriösem Lebensstil und ganzjährigem Sonnenschein prägen die Vorstellung von einem modernen Paradies. Doch hinter der makellosen Fassade stellen sich viele die