Mo., 12.09.2016 , 10:35 Uhr

Studie zur Kinderarmut: Bayern steht vergleichsweise gut da

Kein eigenes Zimmer, kein Handy, kaum Urlaub und gesundes Essen: Auch viele Kinder leiden unter den armen Lebensverhältnissen ihrer Eltern. Zwar sind in Bayern im bundesweiten Vergleich die wenigsten Kinder bestroffen. Es gibt aber auch hier Orte mit bedenklich hohen Quoten.


In keinem anderen deutschen Bundesland leben so wenige Kinder in Armut wie in Bayern. Zwar stieg die Zahl der unter 18-Jährigen, deren Eltern Hartz-IV-Leistungen erhalten, von 2011 bis 2015 um 7200 auf 141 256 an. Der Freistaat liegt aber mit einer Quote von 6,8 Prozent (2011: 6,4 Prozent) noch immer deutlich unter dem Bundesschnitt von 14,7 Prozent (2011: 14,3 Prozent). Dies geht aus einer aktuellen Berechnung der Bertelsmann Stiftung für Bundesländer, Städte und Kreise hervor. Schlusslicht unter den Bundesländern sind die klammen Stadtstaaten Bremen und Berlin mit Quoten von 31,6 beziehungsweise 32,2 Prozent.

 

Bei genauerer Betrachtung zeigen sich den Berechnungen zufolge aber auch innerhalb Bayerns zum Teil erhebliche Unterschiede unter den Kreisen und kreisfreien Städten. Traurige Spitzenreiter sind die fränkischen Städte Schweinfurt (21,9 Prozent), Hof (21,5 Prozent) und Nürnberg (20,3 Prozent). Auch in der Landeshauptstadt München wird mit 11,8 Prozent der landesweite Durchschnittswert deutlich übertroffen. Dagegen sind im Unterallgäu (2,4 Prozent), in Pfaffenhofen an der Ilm (2,2 Prozent) und in Eichstätt (1,9 Prozent) die wenigsten Kinder landesweit auf Hartz-IV angewiesen.

 

Auch bei der Dauer der Hartz-IV-Abhängigkeit liegt Bayern deutlich unter dem bundesweiten Vergleich: 46,9 Prozent der armen Kinder von 7 bis 14 Jahren sind den Angaben zufolge mehr als drei Jahre auf Grundsicherungsleistungen angewiesen. Bundesweit liegt der Schnitt bei 57,2 Prozent. Mehr als die Hälfte der Kinder (76 892) leben zudem bei einem alleinerziehenden Elternteil, von den Kindern in Paarfamilien lebt in Bayern knapp die Hälfte in einer Familie mit drei und mehr Kindern.

 

Bundesweit nimmt die Kinderarmut ebenfalls stärker als in Bayern zu, jedoch mit großen regionalen Unterschieden: In Ostdeutschland sinkt die Quote auf 21,6 Prozent, bleibt damit aber auf hohem Niveau (2011: 24 Prozent). Im Westen ist die Quote 2015 mit 13,2 Prozent höher als 2011 (12,4 Prozent). Im Ländervergleich stieg die Quote von 2011 bis 2015 in Bremen, im Saarland und in Nordrhein-Westfalen am stärksten. Die Kommunen mit den höchsten Armutsquoten von Kindern waren 2015 Bremerhaven mit über 40 Prozent, Gelsenkirchen und Offenbach.

 

Andauernde Armutserfahrungen wirken sich nach einer Studie des Frankfurter Instituts für Sozialarbeit und Sozialpädagogik für die Bertelsmann Stiftung besonders negativ auf die Teilhabe und die Entwicklung von Kindern aus. Sie haben häufig kein eigenes Zimmer, keinen Rückzugsort für Schularbeiten, essen kaum oder gar kein Obst und Gemüse. Verglichen mit Kindern in gesicherten Einkommensverhältnissen sind arme Kinder häufiger sozial isoliert, gesundheitlich beeinträchtigt und ihre gesamte Bildungsbiografie ist deutlich belasteter.

 

dpa

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