Do., 22.08.2013 , 14:34 Uhr

Das große Fahr-Geschäft: Wie die Taxifahrer beim Oktoberfest den großen Reibach machen

Jedes Jahr das gleiche Spiel: Wer als Taxifahrer nicht mindestens vier Wochen vor der Wiesn ein Taxi beim Unternehmer reserviert hat, geht leer aus. Ausgebremst! Die Studenten wissen das und sind ganz früh dran. Die Profi-Taxler verschlafen es manchmal und sind dann nicht dabei: Beim  ultimativen Taxigeschäft des Jahres, dem „Wiesn-G’schäft“.

Zwei Wochen arbeiten, zwei Monatsgehälter kassieren – so die Wunschformel der „Fiaker“, wie sie sich selbst liebevoll nennen. Da muss man wissen, wie der Hase läuft.

 

Teils erbarmungsloser Konkurrenzkampf

 

3600 Taxis sind beim Oktoberfest Tag und Nacht im Einsatz. Doch nicht immer brummt das Geschäft, wie man sich das wünscht. Kein Wunder, dass das mitunter in ein erbarmungsloses Hauen und Stechen ausartet.

Da stellt sich ein Taxler als dritter an den Käferzelt-Stand, und plötzlich geht gar nichts mehr. Nach zwei Stunden  bekommt er endlich eine Fuhre – zum Hauptbahnhof. Vernichtend!

Ein anderer stellt sich als fünfzigster am Wiesn-Haupteingang an, wird in fünf Minuten „durchgepumpt“ und fährt zum Tegernsee. Blöd nur, wenn man nachts leer zurückfahren muss und hört über Funk, dass an der Wiesn tausende auf ein Taxi warten.

 

Versauern an der Münchner Freiheit oder Bierleichen von der Wiesn wegfahren. Wer macht das große Fahr-Geschäft?

 

Überhaupt spaltet das größte Volksfest der Welt die Münchner Taxler in zwei Lager: „Ich fahre nicht freiwillig hin“, sagt Aushilfsfahrer Markus S. (Namen von der Red. geändert), der zu den Wiesn-Muffeln gehört. „Die sind nur b’soffen und speim mir ins Auto.“ Der Streit zum Schichtwechsel beim Großunternehmer erreicht seinen Höhepunkt. „Ich fahre nur zur Wiesn“, kontert Oktoberfest-Fan Peter H. “Dort ist immer was los und egal wie weit es geht, Hauptsach‘ du bist immer am Fahren, dann kommst schon auf deinen Schnitt. Und überhaupt, du Depp, wer glaubst du, braucht denn ein Taxi zur Wiesn-Zeit, wenn nicht die Wiesn-Gäste?!“ Da wird gestritten, was das Zeug hält. Besonders um fünf Uhr früh, nach der Nachtschicht, jetzt auch mit einer Flasche Bier in der Hand. Verdient! G’schaftlhuber und Experten, Besserwisser, Gewinner und Verlierer unter sich.

 

Mit Provision ins Rotlichtmilieu

 

Am gewieftesten sind oft die Kolleginnen. Sie klauben am Wiesn-Rand die Angeheiterten auf und hören oft: „Na Mädel, geht no was?!“ So manche haucht dann: „Freili, lass dich überraschen…“ Dann bringt sie die Fahrgäste zu einem Rotlicht-Etablissement am Stadtrand. Und wenn die Herrschaften dort schließlich ordentlich Eintritt bezahlt haben, gibt’s am Hintereingang eine dicke Provision. Natürlich nicht nur für Chauffeusen, sondern für alle Taxler, die solche Schwerenöter abliefern. Dieser so genannte „Club-Stich“ ist das schnellste Geld. Doch leider klappt es nur ganz selten.

 

Nach der Wiesn kommt der Kassensturz

 

Am Ende ist dann Kassensturz. Diejenigen, die nie zur Theresienwiese gefahren sind und sich immer an irgendwelchen Taxi-Ständen in Solln oder Englschalking versteckt haben,  nörgeln auf hohem Niveau. „Also diesmal ist das Geschäft wirklich an mir vorbei gelaufen“, beschwert sich Konrad W. Sein Kollege Stefan S. ist hingegen immer zur Wiesn gefahren. Er behauptet, den dreifachen Umsatz gemacht zu haben.  „Und dann hat mir noch einer in die Lüftung g’spiem. Von dem hab ich 200 Euro Schadensersatz extra kassiert. Das Geld hab‘ ich selber eingesteckt. Meinem Unternehmer habe ich natürlich nix gesagt. Einmal mit dem Lumpen rüber, passt schon. Hoffentlich merkt keiner, dass das Auto jetzt a bisserl müffelt.“ Ob alles stimmt, weiß natürlich nur er allein.

Am Montag nach der Wiesn ist es schnell wieder vorbei mit den Oktoberfest-Geschichten. Das meiste war ohnehin nur Taxler-Latein.

 

(ca)

 

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