Fr., 15.12.2017 , 14:40 Uhr

Es ist Platz für alle: Durchbruch bei Planungen für Gasteig

Der Gasteig muss demnächst saniert werden. Das Ausweichquartier soll im ehemaligen Heizkraftwerk Süd entstehen. Und bisher fürchteten die Mieter auf dem Gelände, sie würden bei den Plänen zu kurz kommen. Doch nun gibt es einen Plan, der die Interessen aller Beteiligten berücksichtigt.

 

Das Gelände an der Hans-Preißinger-Straße 8 in Untersendling ist mittlerweile ein echtes Kreativquartier geworden. Im Schatten des mächtigen Schornsteins des Heizkraftwerks Süd haben sich hier Künstler, Unternehmer der Kreativwirtschaft, Handwerker und Gewerbetreibende niedergelassen, um in einem ideenreichen Umfeld ihren Geschäften nachzugehen. Doch das junge Ökosystem ist bedroht, weil die Stadt ein Platzproblem hat.

 

Schon 2008 hätte der Gasteig eigentlich komplett saniert werden müssen. Doch weil Teile der Politik immer wieder darauf hofften, dass die alten Gebäude bald sowieso einem Neubau weichen müssten, wurde die Sanierung Jahr für Jahr vertagt. Seitdem man sich allerdings darauf geeinigt hatte, das neue Konzerthaus in das neu entstehende Werksviertel am Ostbahnhof zu integrieren, konnte die Entscheidung über eine Sanierung des Gasteigs nicht länger hinausgezögert werden.

 

Der Gasteig soll nach Sendling ziehen – doch nicht ohne Widerstand

 

Und der aktuelle Plan sieht vor, dass der Gasteig an der Rosenheimer Straße nun ab 2020 dicht gemacht wird, um die Bauten endlich an zeitgenössische Brandschutznormen anzupassen. Nicht weniger als 300 Millionen Euro sollen dafür in die Hand genommen werden. Doch die Stadtbibliothek, die Philharmonie und die Volkshochschule sollen natürlich weiterhin betrieben werden. Die Idee: Der Gasteig zieht in das Kreativquartier an der Hans-Preißinger-Straße.

 

Nicht alle waren von dieser Idee so begeistert wie die Stadt und die SWM. Es formierte sich Widerstand der Mieter im Quartier. In Versammlungen und über Facebook machten die Mieter mobil und riefen auf zur „Rettung des Quartiers“ vor dem „Ausverkauf unserer schönen Stadt“. Rückendeckung bekamen die Protestler vom Sendlinger Bezirksausschuss, der einen ersten Entwurf zum Umzug des Gasteigs ablehnte. Doch die Stadt blieb hartnäckig – und hat damit wohl Erfolg.

 

Der neue Entwurf überwindet die Gräben zwischen Gasteig und Mietern

 

 

Ein neuer Entwurf musste her. Und deshalb beauftragte die Gasteig München GmbH den Architekten Clemens Bachmann, der selbst im Kreativquartier arbeitet, mit einer Machbarkeitsstudie. Die Mieter sollen durch den Zuzug des Gasteigs nicht verdrängt werden. Das Fazit des Architekten: „Ja, es geht! Wir können tatsächlich beide Nutzungen unterbringen“. Grob gesagt, sieht der Plan vor, das Gelände dichter zu bebauen. Die Mieter könnten so weitestgehend in ihren bisherigen Räumlichkeiten verbleiben.

 

„Das sieht auch optisch sehr gut aus“, schwärmte Gasteig-Geschäftsführer Max Wagner. Der Entwurf käme auch bei den Kritikern des Projektes gut an, sodass „aus einem vermeintlichen Gegeneinander ein produktives Miteinander geworden“ sei. So könne man nun einen Vorschlag im Stadtrat einbringen, der beiden Seiten Gewinne bringe. Einer der Sprecher der Mieter, Mirco Taliercio, meinte gar, es könne „etwas sehr Attraktives entstehen, was es so in München noch nicht gegeben hat“.

 

sh

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