Di., 02.08.2016 , 09:41 Uhr

Polizeikugeln in Bayern - Zwei Tote und zwei Verletzte im Juli

Der Attentäter von Würzburg starb nach seiner Axt-Attacke durch Polizeischüsse. Auf den Amokläufer von München feuerte die Polizei eine Kugel ab – die aber nicht traf. Allein im Juli gab es in Bayern zwei Tote und zwei Verletzte durch Polizeikugeln, ein trauriger Rekord.

 

 

Die jüngsten Bluttaten und Einsätze lenken den Blick auch auf den Einsatz der Dienstwaffen bei den Beamten.

Als vor zwei Wochen ein 17-jähriger Flüchtling in einem Regionalzug mit Axt und Messer auf eine Touristenfamilie aus Hongkong und auch außerhalb des Zuges auf eine Passantin losging, sahen die Beamten schließlich keine andere Chance als den Griff zur Waffe. Eine Polizeikugel tötete den Angreifer.

Fünf Tage zuvor erschossen Polizisten im oberbayerischen Erharting einen Pflegeheimbewohner, der einen Beamten mit einem Messer verletzt hatte. Der seelisch kranke 62-Jährige sollte in die Psychiatrie gebracht werden. Weil er durch Aggressivität auffiel, war die Polizei geholt worden. Trauriger Rekord: Zwei Tote durch Polizeikugeln binnen weniger Tage.

Zwei weitere Menschen wurden im Juli in Bayern durch Polizeischüsse verletzt. Drei Tage nach der Axt-Attacke von Würzburg schoss ein Polizist im mittelfränkischen Heßdorf (Landkreis Erlangen-Höchstadt) einen 49-Jährigen an, der sich in seiner Wohnung verschanzt hatte und mit einer Sichel auf die Beamten losging. Am 10. Juli schossen Polizisten einen 36-Jährigen in Ingolstadt ins Bein, als er mit einem Hammer auf sie los ging. Dabei wurden auch vier Polizisten verletzt.

Rein rechnerisch kommt es in Deutschland etwa alle zehn Tage zu Ernstfällen, in denen Beamte ihre Dienstwaffe einsetzen. Wenn Warnschüsse nicht helfen, versuchen sie, Angreifer mit dem Schuss außer Gefecht zu setzen. Dann gibt es Verletzte – und manchmal auch auch Tote. Das Bayerische Landeskriminalamt (LKA) ermittelt dann standardmäßig.

Die LKA-Beamten müssen prüfen, ob ihre Kollegen die Schusswaffe rechtmäßig eingesetzt haben, ob also der Gebrauch angesichts einer Gefahr für Leib und Leben von Menschen unvermeidbar war. 2014 gab es laut LKA in ganz Bayern elf dieser Fälle mit zwei Toten. Schon das schien eine Spitze. Im vergangenen Jahr waren es zwei Fälle mit einem Toten, in diesem Jahr bereits sechs Fälle mit zwei Toten. Die Schüsse nehmen auch die Beamten mit – viele brauchen danach eine Auszeit und psychologische Hilfe.

Heftig umstritten war der Fall des vermutlich psychisch kranken Regensburger Studenten Tennessee Eisenberg. Polizisten hatten 2009 insgesamt 16 Schüsse auf den 24 Jahre alten Musikstudenten abgefeuert, er wurde von 12 Kugeln getroffen.

Juristisch gilt: Polizisten dürfen nur in Extremsituationen schießen. Gründe sind Notwehr oder der Schutz eines Bedrohten. Schießen ist aber auch erlaubt, wenn schwere Verbrechen oder die Flucht eines gefährlichen Täters nicht anders vereitelbar erscheinen. Immer muss die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben.

 

dpa/lby

ansbach Axt Bayern Deutschland München Pistole Polizei schießen Schuss Waffe Würzburg

Das könnte Dich auch interessieren

18.06.2026 Bayerns Sonnen-Gold: Wie Direktinvestments in Solarparks mit Batteriespeicher stabile Renditen sichern Die bayerische Wirtschaft steht vor einer doppelten Herausforderung: der Notwendigkeit einer schnellen und nachhaltigen Energiewende sowie dem Wunsch privater und institutioneller Anleger nach inflationssicheren und wertstabilen Kapitalanlagen. In diesem Spannungsfeld etabliert sich eine Anlageklasse, die beide Anforderungen elegant miteinander verbindet: Direktinvestitionen in Photovoltaikanlagen. Anders als bei anonymen Fonds oder schwankungsanfälligen Aktien handelt es sich hierbei 13.05.2026 Mein Körper, meine Entscheidung: Warum Schönheits-OPs kein Tabu mehr sind Ästhetische Eingriffe werden heute deutlich offener thematisiert als noch vor einigen Jahren. Was früher häufig hinter verschlossenen Türen blieb, ist inzwischen Teil öffentlicher Gespräche geworden – ob in sozialen Medien, Podcasts oder persönlichen Erfahrungsberichten. Parallel dazu verändert sich auch die ästhetische Medizin selbst: Viele Menschen wünschen sich heute keine möglichst auffälligen Veränderungen mehr, sondern natürliche 22.04.2026 Wie Münchner ohne Stress fit bleiben Die Informationsflut im Netz ist gewaltig und oft mehr ermüdend als erhellend. Dabei ist Gesundheitsmanagement im aktuellen Jahr keine Frage der Erschöpfung mehr, sondern eine des geschickten Timings und der richtigen digitalen Verbündeten. Statistiken zeigen, dass über 60 Prozent der Deutschen ihre Gesundheitsfragen zuerst dem Internet stellen, bevor sie überhaupt den Hörer für einen Termin 09.04.2026 Die schönsten Camperrouten rund um München für ein Wochenende München liegt in einer Region, die wie geschaffen ist für kurze Roadtrips mit dem Camper. Innerhalb weniger Stunden erreicht man Seen, Alpenpässe und kleine Orte mit traditioneller Architektur. Genau deshalb entscheiden sich immer mehr Reisende dafür, das Wochenende im eigenen Tempo zu verbringen und spontan neue Orte zu entdecken. Wer einmal mit dem Camper unterwegs