Dachau und der Wahlkampf: Merkel muss für ihren Besuch Kritik einstecken

Angela Merkels heutiger Besuch in der KZ-Gedenkstätte Dachau sorgt vielerorts für Diskussionen: Dass die Kanzlerin den Besuch im ehemaligen Konzentrationslager mal eben zwischen zwei Wahlkampfveranstaltungen schiebt, kommt bei Opposition und vielen Bürgern nicht so gut an. Dabei ist es der erste Besuch eines deutschen Regierungschefs in der Gedenkstätte.

 

«Wer es ernst mit dem Gedenken an einem solchen Ort des Grauens meint, der macht einen solchen Besuch garantiert nicht im Wahlkampf», sagte zum Beispiel die Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Renate Künast, der «Leipziger Volkszeitung». Sie nannte es eine «geschmacklose und unmögliche Kombination», dass Merkel direkt nach ihrem KZ-Besuch eine Wahlkampfrede halten will.

 

Auch der Historiker Wolfgang Benz kritisierte den Zeitpunkt des Besuchs. «Da gäbe es andere, weniger provinzielle, weniger verschämte Gelegenheiten», sagte Benz im Bayerischen Rundfunk. Es wirke beiläufig, «wenn man, kurz bevor man dann ins Festzelt zum Wahlkampf geht, noch den Kranz niederlegt und Betroffenheit äußert».

 

Und auch bei Twitter äußern zahlreiche User zum Teil heftige Kritik an der unglücklichen Terminplanung:

 

 

 

 

 

 

Von anderer Seite hingegen bekommt die Kanzlerin Beistand: Es sei «lobenswert, dass die Kanzlerin die Gelegenheit ihres Besuchs in der Region wahrnimmt, um die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers zu besuchen“, sagt die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch. «Wir befinden uns im Wahlkampf. Jeder Politiker hat das Recht, sich und seine politischen Ziele und Visionen wo auch immer öffentlich zu präsentieren“.

 

mt / dpa